Heute feiern wir
Auf dem Trittbrett eines Volksbegehrens gegen sogenannte „Kirchenprivilegien“ haben die Grünen in der Vorarlberger Arbeiterkammer einen Antrag zur Änderung der Feiertage angekündigt. Demnach sollen die kirchlichen Feiertage gestrichen und durch das Recht aller Arbeitnehmer ersetzt werden, sich aus einer Liste acht Feiertage selbst zusammenstellen zu können. Für jene, die weder christliche, muslimische oder sonstige religiöse Feste feiern möchten, gibt es wohl noch eine ganze Reihe der ins Kraut geschlossenen Gedenktage verschiedenster Interessen.
Die katholische Kirche als vermeintlich Hauptbetroffene hat darauf wohltuend unaufgeregt reagiert. Denn die meisten unserer Feiertage haben zwar einen religiösen Ursprung, sind aber schon lange in erster Linie ein allgemeiner Zusatzurlaub, der auch Menschen ohne religiöses Bekenntnis zugute kommt. Der 8. Dezember (landläufig als Maria Empfängnis bekannt) wurde inzwischen sogar zu einem vorweihnachtlichen Einkaufsfeiertag umfunktioniert. Die Feiertage sind auch nicht mehr sehr stark von religiösem Engagement geprägt und selbst Fronleichnam als Tag eines öffentlichen Glaubensbekenntnisses durch Teilnahme an einer Prozession – wie auf der weltlichen Seite die Maiaufmärsche – steckt augenscheinlich für viele Gläubige in einer Sinnkrise. Andererseits gibt es kirchliche Anlässe wie etwa den Aschermittwoch, die frühmorgens oder am Abend mehr Menschen in die Kirchen bringen als so mancher Feiertag. Das Glaubensleben hängt heute eben von anderen Beweggründen ab, als für einen Kirchenbesuch den Vormittag eines arbeitsfreien Tages opfern zu sollen.
Führende Vertreter von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer haben sofort darauf hingewiesen, dass die neue grüne Feiertagsordnung in der Praxis große Probleme aufwerfen würde. Das liegt auch auf der Hand. Betriebe und öffentliche Einrichtungen müssten zwar öffnen, aber mit einer schwer vorhersehbaren Zahl von Arbeitswilligen das Auslangen finden. Zudem fürchten die Dienstgeber, dass mit einer Neuregelung die Zahl kostenintensiver Feiertage durch die Hintertüre erhöht würde, und die Arbeitnehmer sorgen sich, dass im allgemeinen Durcheinander zahlreicher individueller Feiertage arbeitsfreie Tage abgebaut würden. Es würde mich auch tatsächlich nicht wundern, wenn aus Kosten- und Vereinfachungsgründen für die Wahrnehmung religiöser oder sonstiger Gedenktage auf die Inanspruchnahme von Urlaub verwiesen würde.
juergen.weiss@vn.vol.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
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