Fracking: Allein in Ostschweiz Dutzende Probebohrungen

Vorarlberg / 15.04.2013 • 19:56 Uhr
Auf einer Fracking-Baustelle in Colorado: Texanische Spezialisten werden auch in der Schweiz bohren. Foto: AP
Auf einer Fracking-Baustelle in Colorado: Texanische Spezialisten werden auch in der Schweiz bohren. Foto: AP

Für Schweiz ist Fracking kein Tabu-Bruch: Texaner werden auch im Osten probebohren.

St. Gallen. Während zwei Frackingvorhaben im süddeutschen Raum völlig ausreichten, die Gemeinden rund um den Bodensee in Aufruhr zu versetzen, sind die Schweizer still und heimlich ein schönes Stück weiter: Die Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl SEAG plant ab Herbst „eine Kampagne in der Ostschweiz“. Geschäftsführer Conrad Frey präzisiert im Gespräch mit den VN die Pläne: „Wir werden in den Kantonen Aargau, Bern, Waadt und St. Gallen bohren.“ Insgesamt spricht er von Dutzenden sogenannter Aufschlussbohrungen. „15 bis 20“ davon auch in der Westschweiz.

Texaner mit Erfahrung

„Unsere Geologie ist ja nicht so verschieden von der in Süddeutschland.“ Die SEAG geht davon aus, „dass wir durchaus auf konventionelle Gasvorkommen oder gasführende Schieferschichten stoßen können“. Dafür hat man sich einen Partner geholt. Der US-amerikanische Gaskonzern eCorp bewertet die Aussichten auf Schweizer Vorkommen so lukrativ, dass die Texaner ihr europäisches Hauptquartier nach Zürich verlegen. Dafür nehmen sie ein paar Millionen Franken in die Hand. Die Ostschweizer Bohrungen werden voraussichtlich 15,5 Millionen Franken kosten. Und wenn man fündig wird? „Dann haben wir Anspruch auf eine Ausbeutungskonzession.“

Sollte nach allfälligen Umweltschutzauflagen Gas gefördert werden, „gehören 90 Prozent vom Ertrag der eCorp und 10 Prozent uns“, sagt Frey. Kann er die Ängste vor Fracking nachvollziehen, die u. a. die grüne Nationalrätin Aline Trede aus Bern bewogen hat, ein zehnjähriges Moratorium für die Schweiz vorzuschlagen?

„Man muss die Ängste ernst nehmen“, sagt Frey und betont gleichzeitig, die SEAG habe schon 1999 in Weiach nahe Kloten gefrackt. Bei diesem Verfahren wird in ein Bohrloch mit hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und teils giftigen Chemikalien gepumpt. Etwa 20 Millionen Liter Flüssigkeit gelangen so unter die Erde. Die giftigen Stoffe sind mit einem Anteil von weniger als zwei Prozent in der Flüssigkeit verdünnt. Dennoch sorgt der Mix unter hohem Druck dafür, dass das Gas über das Bohrloch an die Oberfläche strömt. Dabei machen die Chemikalien das Wasser geschmeidig, so dass es in kleinste Zwischenräume dringen kann. Die Angst vor Verunreinigungen in Grund- und Trinkwasser ist groß.

Mit Leobener Knowhow

Frey denkt, „dass wir im Herbst einsatzbereit sind“. Für die Probebohrungen baut die bayerische Bauer Gruppe ein spezielles Bohrgerät. Univ.-Prof. Gerhard Thonhauser von der Montanuniversität Leoben bringt österreichisches Knowhow mit ein. „Wir werden in 4000 m suchen“, sagt Frey. Und vielleicht rasch fündig werden.

Wir werden nach Plan im Herbst 2013 einsatzbereit sein.

Conrad Frey