Größter Trinkwasserspeicher Europas muss sicher bleiben

Bodensee soll für Fracking tabu bleiben, fordert die Bodensee-Wasserversorgung.
Sipplingen. Man findet sie kaum. Erst, wer das ausgedehnte Waldstück hinter dem Überlinger Ortsteil Bonndorf durchquert hat, steht unversehens vor Klinkerfassaden aus den 1950er-Jahren: Die Bodensee-Wasserversorgung am Sipplinger Berg wird eben saniert. Maria Quignon richtet sich auf eine Dauerbaustelle ein. Aber die Pressereferentin ist krisenbewährt. Als 2005 ein bis heute unbekannter Täter Kanister voller Pflanzengift direkt vor der Entnahmestelle für Trinkwasser im See versenkt hat, „haben wir drei Krisentelefone eingerichtet“. Die Menschen beruhigt. Heute dürfen die 18.000 Besucher, die jährlich auf den Sipplinger Berg pilgern, den Quelltopf frisch geschöpften Seewassers nur mehr hinter einer Glaswand besichtigen. Vor dem Seeufer haben die Behörden Ende 2011 eine 1,5 km lange und durchschnittlich 200 m breite Verbotszone errichtet, in der man weder baden, tauchen noch fahren darf. Die Kommandozentrale am Sipplinger Berg überwacht den Streifen mit Radar.
Die neue Gefährdung für die 130 Millionen Kubikmeter Trinkwasser, die Europas größter Trinkwasserspeicher jährlich an 320 Städte und Gemeinden abgibt, ist so leicht nicht zu bannen. Das in Berlin heftig diskutierte Fracking-Gesetz würde es grundsätzlich ermöglichen, am Ufer des Bodensees in die Tiefe zu bohren und dann unter dem Bodensee nach Schiefergas zu suchen.
Denn Verbotszone und Wasserschutzgebiete decken nur einen Bruchteil des Geländes ab. Deshalb drängt die Bodenseewasserversorgung ja darauf, dass in Deutschland quasi eine „lex Bodensee“ erlassen wird. Dass inmitten blühender Obsthaine gleich neben der Trinkwasserentnahme eines Tages nach Gas gebohrt wird, „will sich hier niemand vorstellen“. Maria Quignons Chef hingegen, Marcel Meggeneder, weiß, was dabei herauskommen kann. Er leitete zuvor eine Wasseraufbereitung in Nordeutschland. „Die hatten Fracking vor der Haustür und erlebten, was es heißt, wenn Abwasser austritt“, sagt Quignon. Die Bodensee-Wasserversorgung hat seit ihrem Beginn 1959 noch nie ihre Tätigkeit wegen verschmuztem Wasser einstellen müssen. So soll es auch bleiben.
Dass hier nach Gas gebohrt wird, will sich keiner vorstellen.
Maria Quignon

Antwort Schwärzlers. Antwort des Landesrats auf die Anfrage Rauchs zum Thema Fracking.