Im Rampenlicht sich und seine Wirkung erfahren

Vorarlberg / 21.06.2013 • 18:44 Uhr
Einen herzlichen Applaus nahmen alle 16 Gruppen mit nach Hause, die das 1. Vorarlberger Schultheaterfestival bestritten haben. Fotos: D. Stiplovsek
Einen herzlichen Applaus nahmen alle 16 Gruppen mit nach Hause, die das 1. Vorarlberger Schultheaterfestival bestritten haben. Fotos: D. Stiplovsek

Das 1. Vorarlberger Schultheaterfestival sah nur Gewinner: Auf der Bühne und im Saal.

Höchst. Was macht das mit Kindern, wenn sie auf der Bühne stehen? Wenn sich die Wirklichkeit, mit einer Prise Traum gewürzt, verwandelt?

Es macht sie stolz. die zwölfjährige Sevval aus der Mittelschule Bergmannstraße gab eben einen Fisch. „So viele Leute haben zugeschaut“, ungläubiges Staunen hat sich in ihren Zügen eingenistet. „Wenn am Schluss alle applaudieren“, hat sich die Mühe gelohnt.

Der Weg dorthin ist lang, der Aufwand beträchtlich. An der Mittelschule Höchst führen Elisabeth Riem und Paul Sandholzer eine 26-köpfige Theatergruppe. Für ihr Stück haben sie auch Freitagnachmittag und samstags geprobt. Sie haben ein Märchen verfremdet. So originell, wie nur der frische, unverbaute Zugang von Kindern zuwerke geht.

Die Bühne macht aber auch seltsam verletzlich. Angreifbar. Etwa, wenn der Text verloren geht. Und alles rundum schweigt. Scheinwerfer gleißen. Jetzt dürfte es ruhig dunkel werden. Wird es aber nicht. Was weiß die Lichtregie schon von der Brüchigkeit eines Gedächtnisses.?

Rundum fragende Gesichter. Murmeln im Zuschauerraum. Ein Albtraum.

Diese Bühne ist anders

Aber nicht hier. Nicht auf dem 1. Vorarlberger Schultheaterfestival „Alles Paletti“, das Dagmar Ullmann-Bautz und zahlreiche Helfer in Szene setzten. An dessen Ende Land und VN Preise vergeben.

Diese Bühne ist anders. Die meisten Zuschauer standen selber auf ihr oder haben das noch vor sich. Das formt ein wundervolles Publikum.

Nicht ein einziger Texthänger wird mit Gelächter quittiert. Im Gegenteil: Der Prinz, der seiner Rolle überdrüssig aus dem Bühnenbild spaziert, wird mit Applaus zur Rückkehr bewogen. Ob ein Kind aufgrund einer angeborenen Beeinträchtigung mit hoher Stimme spricht? Geschenkt. Und als während der „Zauberflöte“ die beleuchteten Umrisse von Pamina hinter einem Paravent sichtbar werden, erstirbt jedes Geräusch. Nur Mozarts Musik erfüllt den Raum. Pamina sitzt im Rollstuhl. Dann schiebt Tamino sie hervor. Nie war ein Paar entzückender.

In Schauspiel maturieren

So ist Theater. Wohin das führen kann? Andreas Gabriel begleitet eine 6. Klasse des Gymnasiums Dornbirn im Fach Schauspiel und Film Richtung Matura. Dass man in diesem Fach mündlich maturieren kann, gibt es sonst nur noch einmal in Österreich.

Leicht ist das nicht. Das haben die Sechstklässler eben am eigenen Leib erfahren. Noch am Dienstag mussten einige von ihnen in entscheidenden Prüfungen Rede und Antwort stehen. Tags darauf brillierten sie mit dem Stück „Schularbeit“ auf der Bühne.

Besuch im Schüler-Generalstab

Schade, dass ihre Prüfer vom Vortag nicht erfahren haben was sich da beim Herannahen eines Lehrers zwischen Auge, Großhirn und Adrenalin abspielt. „Den Feind versteckt im Auge behalten“, befiehlt der Chef, „Augenlider senken, Tagtraumbereitschaft.“ „Darf ich wieder stressen?“, quängelt das Adrenalin, „bitte!“. Auch der Darm würde gerne was beitragen. Aber nein, Zurückhaltung ist angesagt.

Und eine Lösung muss her. Denn es droht die MatheSchularbeit. Das Gedächtnis? Hat keine Ahnung. Das Unterbewusstsein rennt zum Psychologen. Das Lernzentrum aber empfiehlt: Kopfweh? Darmkrämpfe oder einen entzückenden Hörsturz vielleicht? Hilft alles nix. So trottet der Schüler in die Klasse wie ein Schaf zur Schlachtbank. Der Darm aber . . . geht zur Gewerkschaft.

VS Ebnit. Schafft es die Schildkröte Tranquilla Trampeltreu rechtzeitig zur Hochzeit von Leo XXVIII? Ist sie dafür nicht viel zu langsam? Das Maskenspiel der Ebniter Volksschüler dauert 15 spannende Minuten.
VS Ebnit. Schafft es die Schildkröte Tranquilla Trampeltreu rechtzeitig zur Hochzeit von Leo XXVIII? Ist sie dafür nicht viel zu langsam? Das Maskenspiel der Ebniter Volksschüler dauert 15 spannende Minuten.
Jedes der 16 Theaterstücke rang den Besuchern wieder und wieder ein Lachen ab, dem oft unmittelbar nachdenkliche Augenblicke folgten.
Jedes der 16 Theaterstücke rang den Besuchern wieder und wieder ein Lachen ab, dem oft unmittelbar nachdenkliche Augenblicke folgten.
VMS Hard-Markt. Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich. Im Laufe des Abends tauchen sie ein in die Geschichte der Odysee. Schlüpfen in die Rollen von Achill, Odysseus, Penelope.
VMS Hard-Markt. Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich. Im Laufe des Abends tauchen sie ein in die Geschichte der Odysee. Schlüpfen in die Rollen von Achill, Odysseus, Penelope.
Der Elternverein der Mittelschule Höchst hat das Kuchenbuffet beigesteuert: Die Mimen griffen beherzt zu.
Der Elternverein der Mittelschule Höchst hat das Kuchenbuffet beigesteuert: Die Mimen griffen beherzt zu.
Oberstufe BG Dornbirn. Das Innenleben eines Schülers vor der Schularbeit? Chaotisch. Was sich da zwischen Kleinhirn und Lernzentrum, Adrenalin und Darm abspielt, brachte die 6. Klasse auf die Bühne. Grandios.
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Oberstufe BG Dornbirn. „Dark room“: Drei Wohnungen, drei Altersgruppen. Der Strom fällt aus. Wie reagieren die Einzelnen? Hier gab es nur wenig fertigen Text. Vereinbarte Stichwörter. Das meiste war Improvisation.
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VS Bizau. „S’Flügogeoft“ von Gebhard Wölfle handelt von zwei Bauern: Dem einen kommen allmorgendlich die Eier seiner Hühner abhanden, dem anderen werden die Birnen vom Baum geklaut. Wer ist der Dieb?
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Beschlinger Theatermäuse. Die wundersame Geschichte der Prinzessin Zizibe endet, auch wenn ein Troll im Weg steht, im Happy End. Aber bis es soweit ist, haben die Theatermäuse alle Hände voll zu tun.
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SPZ Rankweil. Die Schüler haben das Stück „Zit lo“ selber erarbeitet. Der Familienmorgen, die Sprechstunde beim Lehrer, und alles kreist um die leidige Frage: Was ist wichtiger? Fußballtraining oder Hausaufgaben?
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VS Alberschwende-Hof. Dass der Prinz vom Burgund der Prinzessin einen tanzenden Hasen zum Geburtstag schenkt, ist schlichtweg „extraordinär“. Nun wird er bei den Tieren im Wald sehr vermisst . . .
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2c VS Bregenz-Rieden. Ihr Stück „Willkommen auf Burg Wiessenstein“ haben die Volksschüler selber geschrieben. „Der Text hat sich bis zuletzt verändert“, sagt Lehrerin Britta Melter, und ein Lächeln erhellt ihr Gesicht.
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VMS Höchst. Das Märchen wurde nicht nur in Hensel und Grätel umbenannt, sondern auch tüchtig umgeschrieben.
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Schulheim Mäder. Da kann Sarastro ja gar nicht anders, als seine Einwilligung zur Hochzeit geben. So hinreißend hat Tamino seine Pamina befreit. Bei Mozarts Musik wurde es mäuschenstill im Saal.
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SPZ Dornbirn. Im Stück „Schaffa schaffa Hüsle baua“ helfen sich langzeitarbeitslose Jugendliche selber. Sie brauen ein Aufputschmittel und erfinden dabei versehentlich das Schlafmittel Gähn. Und scheffeln Millionen.
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Manchmal war die Spannung kaum auszuhalten.
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Sie sorgten an beiden Tagen für den guten Ton.
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1c VMS Bergmannstraße . Was für eine Menagerie ist das denn? Aber lange muss der Entenschnabel Enttäuschungen einstecken, bis die anderen Tiere ihn schätzen lernen. „Ich bin, wie ich bin“, heißt das Stück.
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VS Düns. Kann man mit purer Angeberei Freunde gewinnen? „Nimm 2“ von der Autorin Elisabeth Krug zeigt, dass am Ende ganz andere Dinge ins Gewicht fallen als Äußerlichkeiten.
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PG Riedenburg. Klar, dass der „Gangnam Style“ nicht fehlen durfte. Die Mädchen des PG Riedenburg führten im Musical Hair Spray“ dem Publikum vor Augen, wo Ausgrenzung hinführen kann.
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VS Hörbranz. So hatte sich die Kleine Hexe ihre erste Walpurgisnacht gewiss nicht vorgestellt. Aber weder die Oberhexe noch die böse Hexe Rumpumpel bleiben am Ende Sieger.
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Schultheaterpreis

Der 1. Vorarlberger Schultheaterpreis wurde von Land und VN vergeben. Alle 16 Gruppen – eine hat kurzfristig absagen müssen – erhielten ein „Victörle“ und 100 Euro Preisgeld.