Im Rampenlicht sich und seine Wirkung erfahren

Das 1. Vorarlberger Schultheaterfestival sah nur Gewinner: Auf der Bühne und im Saal.
Höchst. Was macht das mit Kindern, wenn sie auf der Bühne stehen? Wenn sich die Wirklichkeit, mit einer Prise Traum gewürzt, verwandelt?
Es macht sie stolz. die zwölfjährige Sevval aus der Mittelschule Bergmannstraße gab eben einen Fisch. „So viele Leute haben zugeschaut“, ungläubiges Staunen hat sich in ihren Zügen eingenistet. „Wenn am Schluss alle applaudieren“, hat sich die Mühe gelohnt.
Der Weg dorthin ist lang, der Aufwand beträchtlich. An der Mittelschule Höchst führen Elisabeth Riem und Paul Sandholzer eine 26-köpfige Theatergruppe. Für ihr Stück haben sie auch Freitagnachmittag und samstags geprobt. Sie haben ein Märchen verfremdet. So originell, wie nur der frische, unverbaute Zugang von Kindern zuwerke geht.
Die Bühne macht aber auch seltsam verletzlich. Angreifbar. Etwa, wenn der Text verloren geht. Und alles rundum schweigt. Scheinwerfer gleißen. Jetzt dürfte es ruhig dunkel werden. Wird es aber nicht. Was weiß die Lichtregie schon von der Brüchigkeit eines Gedächtnisses.?
Rundum fragende Gesichter. Murmeln im Zuschauerraum. Ein Albtraum.
Diese Bühne ist anders
Aber nicht hier. Nicht auf dem 1. Vorarlberger Schultheaterfestival „Alles Paletti“, das Dagmar Ullmann-Bautz und zahlreiche Helfer in Szene setzten. An dessen Ende Land und VN Preise vergeben.
Diese Bühne ist anders. Die meisten Zuschauer standen selber auf ihr oder haben das noch vor sich. Das formt ein wundervolles Publikum.
Nicht ein einziger Texthänger wird mit Gelächter quittiert. Im Gegenteil: Der Prinz, der seiner Rolle überdrüssig aus dem Bühnenbild spaziert, wird mit Applaus zur Rückkehr bewogen. Ob ein Kind aufgrund einer angeborenen Beeinträchtigung mit hoher Stimme spricht? Geschenkt. Und als während der „Zauberflöte“ die beleuchteten Umrisse von Pamina hinter einem Paravent sichtbar werden, erstirbt jedes Geräusch. Nur Mozarts Musik erfüllt den Raum. Pamina sitzt im Rollstuhl. Dann schiebt Tamino sie hervor. Nie war ein Paar entzückender.
In Schauspiel maturieren
So ist Theater. Wohin das führen kann? Andreas Gabriel begleitet eine 6. Klasse des Gymnasiums Dornbirn im Fach Schauspiel und Film Richtung Matura. Dass man in diesem Fach mündlich maturieren kann, gibt es sonst nur noch einmal in Österreich.
Leicht ist das nicht. Das haben die Sechstklässler eben am eigenen Leib erfahren. Noch am Dienstag mussten einige von ihnen in entscheidenden Prüfungen Rede und Antwort stehen. Tags darauf brillierten sie mit dem Stück „Schularbeit“ auf der Bühne.
Besuch im Schüler-Generalstab
Schade, dass ihre Prüfer vom Vortag nicht erfahren haben was sich da beim Herannahen eines Lehrers zwischen Auge, Großhirn und Adrenalin abspielt. „Den Feind versteckt im Auge behalten“, befiehlt der Chef, „Augenlider senken, Tagtraumbereitschaft.“ „Darf ich wieder stressen?“, quängelt das Adrenalin, „bitte!“. Auch der Darm würde gerne was beitragen. Aber nein, Zurückhaltung ist angesagt.
Und eine Lösung muss her. Denn es droht die MatheSchularbeit. Das Gedächtnis? Hat keine Ahnung. Das Unterbewusstsein rennt zum Psychologen. Das Lernzentrum aber empfiehlt: Kopfweh? Darmkrämpfe oder einen entzückenden Hörsturz vielleicht? Hilft alles nix. So trottet der Schüler in die Klasse wie ein Schaf zur Schlachtbank. Der Darm aber . . . geht zur Gewerkschaft.




















Schultheaterpreis
Der 1. Vorarlberger Schultheaterpreis wurde von Land und VN vergeben. Alle 16 Gruppen – eine hat kurzfristig absagen müssen – erhielten ein „Victörle“ und 100 Euro Preisgeld.