Grünes Licht für Erdgassuche

Nächster Schritt Richtung Fracking am Bodensee: Briten erhalten Erkundungskonzession.
Freiburg. Also rotieren die Bohrköpfe doch bald am Bodensee? Die Bergbehörde in Freiburg hat jedenfalls entschieden: Beide Konzessionsansuchen des britischen Unternehmens Parkyn Energy Germany, das auf einem 2600 Quadratkilometer großen Gebiet am Bodensee nach Schiefergas suchen will, werden verlängert. Mehr als ein Jahr lagen die Anträge brach; Monate, in denen die umstrittene Fördermethode des Fracking heftig diskutiert wurde und ein mehrfach verschärfter deutscher Gesetzesentwurf letztendlich scheiterte.
Jetzt hatten die Briten die Nase voll und drohten mit einer Unterlassungsklage. Daraufhin hat die Behörde die Akten entstaubt und die Anträge bewilligt. Schriftlich erhält Parkyn Energy Germany die Entscheidung erst im September. Die betroffenen Kommunen sollen noch Zeit finden, sich zu äußern. Aber das hat mit dem vom Land Baden-Württemberg in Aussicht gestellten Mitspracherecht nichts mehr gemein und entspricht eher einer umweltpolitischen Klagemauer.
„Wir mussten so entscheiden“, beteuert der stellvertretende Pressesprecher des Freiburger Regierungspräsidiums. „Das Unternehmen hat seinen Rechtsanspruch gültig gemacht.“ Matthias Henrich betont, dass „wir die Ansuchen eingehend geprüft haben“. Aber das Bundesgesetz habe keinerlei Spielraum offeriert.
Erst Vorkommen ergründen
Wird damit in absehbarer Zeit gefrackt am Bodensee? Werden enorme Mengen von Wasser vermischt mit Chemikalien unter die Erde gepresst, um das Gas freizubekommen? Und das mitten im Trinkwassereinzugsgebiet? Zumindest noch nicht gleich. Aber der Weg führt dorthin. Offenbar unaufhaltsam.
Die Parkyn Energy Germany mit Sitz in Dublin ist eine 100-prozentige Tochter des britischen Unternehmens 3Legs Resources. Seit 2007 kümmert sich diese Firma um die Aufsuchung und Erschließung nichtkonventioneller Öl- und Erdgasressourcen. 3Legs besitzt Lizenzbeteiligungen in Polen und Deutschland. In Polen bezeichnen sich die Briten als „das führende Unternehmen bei der Erschließung von Schiefergas“. Auf den Konzessionsfeldern Konstanz und Biberach wollen die Briten einerseits Tonschiefer aus dem ältesten Erdzeitalter, dem Paläozoikum, in 2500 bis 3000 Metern Tiefe erkunden, andererseits das konventionelle Lagerstättenpotenzial 1500 bis 2000 Meter tief im Erdreich abschätzen. Dafür bieten die verlängerten Konzessionen zwei Jahre Zeit. Die Briten werden das Gebiet in 120 Kilometer lange Blöcke unterteilen. Speziallastwagen werden in Kolonnen diese Strecken abfahren. Sie senden Schallwellen ins Erdreich, etwa zwischen Ravensburg und Pfullendorf. Sind die vermuteten Schiefergasvorkommen tatsächlich so ergiebig, wird die Parkyn Energy Germany den Rohstoff mittels Fracking heben wollen.
Als Deutschlands schwarz-gelbe Regierung sich heuer anschickte, das umstrittene Fracking noch vor dem Bundestagwahlen am 22. September gesetzlich in den Griff zu kriegen, war der Bodensee ernsthaft als Tabuzone im Gespräch. Immerhin liefert der drittgrößte See Mitteleuropas das Trinkwasser für mehr als vier Millionen Menschen. Die Anrainerländer haben klar erkennen lassen, dass ihnen jede Gefahr für Trink- und Grundwasser zuwider ist.
Aber jetzt dürfen die Briten weiter suchen. Werden sie fündig, dann werden die Karten neu gemischt.