Maurermeister wie in früher Epoche

Vorarlberg / 20.08.2013 • 19:27 Uhr
Stephan Moosbrugger zeigt den Nachwuchsbaumeistern, wie man ordentlich mauert. Fotos: VN/Steurer
Stephan Moosbrugger zeigt den Nachwuchsbaumeistern, wie man ordentlich mauert. Fotos: VN/Steurer

Auf der Burgruine Alt-Ems halfen neun Kinder im Zuge des Aktivsommers zu sanieren.

Hohenems. Geschichte wieder zum Leben erwecken: Dabei halfen gestern im Zuge der Aktivsommer-2013-Wochen der Stadt Hohenems neun junge Nachwuchsbaumeister. Zur Baustelle mit einer der besten Aussichten auf die Stadt Hohenems am Fuße des Schlossbergs, das Rheintal und den Bodensee ging es in einem halbstündigen Fußmarsch steil bergauf.

Die Sonne strahlte am spätsommerlichen hellblauen Himmel, auf dem dicke weiße Wolken ihre Bahnen zogen. „Wir sind die Ersten“, tönte es von einer zweiköpfigen Vorhut. Den neun Buben und ihren Eltern eröffnete sich nach dem Aufstieg die im 12. Jahrhundert erbaute Burg Alt-Ems. Jetzt – rund 800 Jahre später – sollen sich die Nachwuchsbaumeister im Zeichen des Mittelalters unter der Anleitung von Burgbaumeister Raimund Rhomberg daranmachen, bei der Instandhaltung und Sanierung der wehrhaften Anlage mitzuhelfen.

Eintauchen in das Mittelalter

„Es ist die längste Burganlage Österreichs, rund acht Fußballfelder lang“, erklärt der Burgbaumeister den neun jungen „Lehrlingen des Mittelalters“ den Grundriss der Anlage. Im Jahr 1940 wurde die Ruine unter Denkmalschutz gestellt. Auf der Barbakane, dem Obergeschoss des Rondells, wies Rhomberg die Buben in die bevorstehenden Stationen ein. „Mörtel, Stein, Kalk, Kies und Holz waren die Baumaterialien dieser Zeit.“ Und mit diesen Materialien durfte an vier Stationen sogleich gearbeitet werden. Um eine Mauer der Burgruine instand zu halten, heißt es als Erstes: Steine mit Bürsten und Wasser schrubben. Das Engagement der Fünfergruppe ließ nichts zu wünschen übrig: „Das kenne ich von meinen Fußballschuhen. Die putze ich auch immer so“, sagt der neunjährige Jona und macht sich eifrig an einem großen Brocken Fels zu schaffen. Nach und nach fallen mit einem Scheppern nassglänzende Steine in den Löffel eines kleinen Baggers.

Kratzen, putzen und spachteln

An der zweiten Station zeigt Stephan Moosbrugger den wissbegierigen Mittelalterfans, wie man mit Spachtelwerkzeug kleine Pflanzen und Wurzeln, die das Mauerwerk in ihren Besitz genommen haben, herauskratzt. „Der Zementmörtel aus den 1960er-Jahren muss wieder herausgekratzt werden, da er dem Kalkmörtel und dem Mauerwerk schadet.“

Stephan Moosbrugger demonstriert gleich auch bei der nächsten Station, wie man Mörtel macht: Sumpfkalk, grober, feiner und feinster Sand, vulkangemahlener Stein, ein wenig Zement und Wasser finden im richtigen Mischungsverhältnis im Mischer Platz und fügen sich sogleich – nach einigem Gerumpel – zu einer homogenen, hellgrauen Creme zusammen. Maximilian und David dürfen sich nach der Anleitung von Hubert Mathis mit dem Hochdruckreiniger am Mauerwerk zu schaffen machen, was den Achtjährigen sichtlich Freude bereitet: „Wuahh, voll cool“, geben die beiden mit einem Lachen dem letzten verbleibenden Dreck keine Chance.

Zum Abschluss helfen alle, den demolierten Sims eines der Burgfenster wieder aufzubauen. „Man muss dabei richtig puzzeln, damit alles gut hält und die Mauer auch optisch ein gutes Bild ergibt. Zur Not müssen größere Steine mit dem Hammer auseinandergebrochen werden“, erklärt Moosbrugger, während sich die jungen Baumeister mit Mörtel und Steinen „bewaffnen“, dem Gestein wieder eine Bestimmung geben und die Fugen mit ihren Fingern glattstreichen.

Jona katzt eifrig den Dreck aus den Fugen.
Jona katzt eifrig den Dreck aus den Fugen.
Maximilian tobt sich mit dem Hochdruckreiniger aus.
Maximilian tobt sich mit dem Hochdruckreiniger aus.
Niklas (9) befreit den Stein mit Wasser und Bürste vom Dreck.
Niklas (9) befreit den Stein mit Wasser und Bürste vom Dreck.