Stau ist nur die eine Seite

Vorarlberg / 28.08.2013 • 18:40 Uhr
Bregenz, Citytunnel, am Mittwoch um 17:52 Uhr: Der Abendverkehr nimmt die vertrauten Formen an. Fotos: VN/Steurer
Bregenz, Citytunnel, am Mittwoch um 17:52 Uhr: Der Abendverkehr nimmt die vertrauten Formen an. Fotos: VN/Steurer

Bregenzer Vizebürgermeisterin plädiert für Perspektivenwechsel in der Verkehrspolitik.

Bregenz. (VN-tm) Unseren täglichen Stau „gibt uns Bregenz diesmal nicht“, nicht um 16.30 Uhr. Sandra ­Schoch war extra nocheinmal nachschauen. Vom Rathaus zur Seestraße ist es bekanntlich nur ein Katzensprung.

„Sehr entschleunigt“ hat die grüne Bregenzer Vizebürgermeisterin den Verkehr wahrgenommen. Aber auch die 42-Jährige weiß um das feierabendliche Drama, das hier täglich gegeben wird. Sie beklagt freilich, „dass wir die Diskussion „sehr emotionalisiert“ und einseitig führen.

Stichwort zweite Pfänderröhre: „Die Leute pflegen so eine Allheilserwartung. Jetzt, mit der zweiten Pfändertunnelröhre, muss alles besser werden.“ Muss es aber in ­Schochs Augen gar nicht. Mobilität und Stadtentwicklung haben eines gemeinsam: Sie dauern ihre Zeit. „In fünf Jahren“, gibt Schoch ein Beispiel, „hat sich der Fahrradverkehr in Bregenz von 15 auf 20 Prozent gesteigert.“ Das wurde im Mobilitätskonzept erhoben. „Es beweist, dass Veränderungen dauern.“

Auch Fußgänger darben

Außerdem benötige die Landeshauptstadt „einen Perspektivenwechsel“. Für Schoch geht es um „die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer“. Auch Autofahrer seien dann und wann zu Fuß unterwegs. „Und Fußgänger warten in Bregenz 78 Sekunden, bis sie die Seestraße überqueren und zum See gehen können.“ In anderen Städten wie Bern oder Basel dauere so was nur 60 Sekunden. „Wir hören immer die Klagen der Autofahrer.“ Dabei müsse es das Ziel sein, die Stadt an sich attraktiver zu machen, „und zwar für alle Verkehrsteilnehmer“.

Sandra Schoch regt an, dass dynamische Infotafeln entlang der Autobahn die zu erwartende Zeitverzögerung bei der Fahrt durch Bregenz realistisch anzeigen. „Das würde viele abschrecken.“

Sie erinnert daran, dass sich Vorarlbergs Landtag 2005 einstimmig für eine generelle Fahrleistungsabgabe statt der Vignette ausgesprochen habe. „Das wäre gerecht. Wer fährt, der zahlt. Egal ob auf der Autobahn oder in Bregenz.“ Nur der Korridorvig­nette hinterherzutrauern, löse keine Probleme.

Und so wälzt die neue Bregenzer Vizebürgermeisterin eine ganze Reihe von Maßnahmen, die gemeinsam greifen sollen: Vom weiteren Ausbau der Parkraumbewirtschaftung bis zu Maßnahmen zugunsten von Fahrrad und Fußgängern. Aber all das brauche eben Zeit. „Jeder, der jetzt schnelle Lösung verspricht, verspricht etwas, was nicht möglich ist.“ ##Thomas Matt##

Schoch: „Jeder Autofahrer ist auch einmal Fußgänger.“
Schoch: „Jeder Autofahrer ist auch einmal Fußgänger.“

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