„Gesundheit der Frauen wird zum Faustpfand“

Vorarlberg / 30.09.2013 • 20:35 Uhr

Brustvorsorge neu auf Eis gelegt. Hauptverband und GKK reden von „Erpressung“.

Dornbirn. Das vorläufige Scheitern des neuen Programms zur Brustkrebsfrüherkennung schlägt weiter hohe Wellen (die VN berichteten). Vor allem Manfred Brunner, Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) und Chefverhandler im Auftrag des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, findet deutliche Worte zur Blockadehaltung der Wiener und steirischen Ärztekammer. „Hier wird die Gesundheit der Frauen als Faustpfand eingesetzt, um überzogene Honorarforderungen durchzudrücken“, ärgert sich Brunner.

Dass es außerdem mit der Wiener genau jene Ärztekammer ist, die vor nicht allzu langer Zeit lautstark lamentierte, es würden jährlich 600 Frauen mehr an Brustkrebs sterben, wenn das Screening-Programm nicht komme, treibt dem GKK-Obmann zusätzlich Zornesfalten auf die Stirn. „Jetzt werden tatsächlich Frauen an Brustkrebs sterben, der mit der neuen Vorsorge rechtzeitig hätte erkannt werden können“, schießt Manfred Brunner giftig zurück. Für diese Ärztekammern sei die Gesundheit aber lediglich Mittel zum Zweck, nämlich um mehr Geld zu lukrieren. Brunner spricht in diesem Zusammenhang von „reiner Erpressung“. Und: „Etwas vergleichbar Verantwortungsloses ist mir bislang nicht untergekommen.“

Auch der Vorsitzende des Verbandsvorstands im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Dr. Hans Jörg Schelling, spart nicht mit scharfer Kritik. Er sieht die Frauen speziell durch die Wiener Ärztekammer in „Geiselhaft“ genommen. Denn die Krone der Ironie: Auf Bundesebene hat der Wiener Ärztechef Dr. Johannes Steinhart das Programm mitunterzeichnet, auf Länderebene stellt er sich aber stur. „Diese Vorgehensweise degradiert auch Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger zur Schießbudenfigur“, setzt Manfred Brunner deftig nach.

Angebot ausgeschlagen

Laut Hauptverband haben die Wiener und steirische Gebietskrankenkasse den Ärzte­kammern ein „vernünftiges Tarifangebot“ vorgelegt. Für die Steiermark machte dieses beispielsweise sieben Prozent aus. Von den Ärztevertretern wurde allerdings das Doppelte an Honorarerhöhung verlangt. Der Wiener Ärztekammer wirft Hans Jörg Schelling wortwörtlich „Gier“ vor. Damit würde die Kasse, die ja bekanntlich lange tief in den roten Zahlen steckte und inzwischen als saniert gilt, bald wieder dort landen. Schelling stellte in einer Aussendung klar, dass der Hauptverband das auf keinen Fall zulassen werde.

Einladungen gestoppt

Der mit dem heutigen Tag geplante Start des neuen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms wird sich nun um mindestens ein Quartal verschieben. Grund sei das komplexe technische Management im Hintergrund. Manfred Brunner und Hans Jörg Schelling hoffen trotzdem, dass es bald zu weiteren Verhandlungen kommt. Solange es keine Einigung mit den Ärztekammern gibt, liegt das Projekt auf Eis.
Die Vorsorge-Mammografien sowie notwendige kurative Mammografien werden in der bestehenden Form weitergeführt. „Der vereinfachte Zugang und die bessere Untersuchungsqualität bleiben den Frauen aber verwehrt“, setzt Schelling noch eine Breitseite an die Ärztekammern ab.