Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Wie arm will die Kirche nun sein?

Vorarlberg / 14.10.2013 • 20:50 Uhr

Im Rom kursiert ein Scherz. Er hat wie alle guten Witze einen ernsten Kern: Bischöfe aus aller Welt tragen bei ihren Besuchen im Vatikan heutzutage nur mehr völlig wertlose Brustkreuze und Ringe zur Schau. Das tun sie aus Angst, Papst Franziskus könne ihnen die wertvollen Originale umgehend abnehmen und sie den Armen schenken.

Tatsächlich wird das uneingeschränkte Bekenntnis des Papstes zur Armut ausgerechnet durch einen Mitbruder im Hirtenamt öffentlichkeitswirksam auf die Probe gestellt. Papst Franziskus spricht zwar fließend Deutsch. Aber in Limburg wird er nie gewesen sein. Dabei ist das ein schöner Flecken Erde. Der Rheingau zählt dazu und Wiesbaden und die Finanzmetropole Frankfurt am Main. In den Unterlagen der Bischofskongregation wird Papst Franziskus allerdings das Wort „Sparkurs“ lesen. Denn auch in Limburg gehen die Uhren nicht anders. Immer weniger Menschen gehen in die Kirche. Die Diözese umfasst 670.000 Katholiken und ein Jahresbudget von rund 200 Millionen Euro. So genau weiß das freilich niemand. Das Bistum rückt die Zahlen nicht raus. Aber zwei andere Zahlen kennt man: Einmal hat der Bischof den Pfarrgemeinden vor wenigen Jahren ein Sparprogramm von 32 Millionen Euro aufgebrummt. Im Bistum Limburg werden Kirchen geschlossen und abgerissen. Zum anderen hat derselbe Bischof seinen Bischofssitz um voraussichtlich 40 Millionen Euro ausgestalten lassen. Inklusive freistehender Badewanne. Allein die Aufhängung des Adventskranzes in der Kapelle soll zwischen 50.000 und 100.000 Euro gekostet haben.

Nun ist Franz-Peter Tebartz-van Elst vorübergehend aus der Businessclass aus- und bei Ryanair eingestiegen und nach Rom geflogen. Nachdem die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl gegen ihn wegen Falschaussage beantragt hat, legt er sein weiteres Schicksal in die Hände des Papstes. Dort lag es immer. Aber auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, ist in Rom. Tebartz-van Elst wollte „seinem Chef“ offenbar zuvorkommen. Zumindest die deutschsprachige Welt fragt sich nun: Was ist das Armutsbekenntnis des Papstes wert? In Limburg ist Tebartz-van Elst nach Massenprotesten und Strafverfolgung nicht mehr tragbar. Wird man ihn in guter kurialer Manier auf einen verwaisten Lehrstuhl irgendeiner kirchlichen Universität wegloben? Das wäre schade. Denn im afrikanischen Benin wäre das Bistum Natitingou gerade frei. Auch dort leben etwa 670.000 Katholiken, aber sie haben nur 27 Pfarreien. Sparprogramm braucht es also keines mehr. Und seine freistehende Badewanne dürfte Tebartz-van Elst sicher mitnehmen.

thomas.matt@vorarlbergernachrichten, 05572/501-724