2014 startet Pilotprojekt für „Sozialsystem neu“

Vorarlberg / 23.10.2013 • 20:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Kinder“, betont Rauch, „haben etwa ein Recht auf Schutz.“ Die neue Leitlinie der Kinder- und Jugendhilfe in Vorarlberg vom Februar 2012 berücksichtigt bereits das Konzept der Sozialraumorientierung. Foto: Berchtold
„Kinder“, betont Rauch, „haben etwa ein Recht auf Schutz.“ Die neue Leitlinie der Kinder- und Jugendhilfe in Vorarlberg vom Februar 2012 berücksichtigt bereits das Konzept der Sozialraumorientierung. Foto: Berchtold

Land sucht breites Einvernehmen für Sozialraumorientierung und will Ängste zerstreuen.

Bregenz. Die Neuordnung der Soziallandschaft Vorarlbergs kommt ins Rollen. Landesrätin Greti Schmid bittet im Dezember Vertreter der Träger und Gemeinden an einen Tisch. „Dort sollen Vorschläge und Varianten für ein Pilotprojekt diskutiert werden.“ Schmid betont, wie wichtig es ihr ist, „dabei Bewährtes gut einzubinden“.Sie weiß, dass im Zauberwort der Sozialraumorientierung ausreichend Sprengstoff verborgen liegt.

Seit der Essener Spezialist Wolfgang Hinte Anfang Oktober das Konzept launig erläutert hat, wird in den Einrichtungen von „Ex & Hopp“ bis zum Kinderdorf diskutiert. Klar: Der Ansatz, Sozialarbeit künftig stark auf den Willen der Klienten abzustützen, ist nicht neu. Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch zieht die „Programmatischen Leitlinien der Kinder- und Jugendhilfe“ hervor. 2012 wurden sie beschlossen. Ganz oben auf der Liste der Leistungen steht das Fachkonzept „Sozialraumorientierung“ von Wolfgang Hinte: „Aktivierende Arbeit hat grundsätzlich Vorrang vor betreuender Tätigkeit“, steht da zu lesen und „Ausgangspunkt jeglicher Arbeit ist der Wille der leistungsberechtigten Menschen“.

Rechte der Klienten achten

Das Wörtchen „leistungsberechtigt“ würde er dabei dick unterstreichen. „Hinte wird selektiv zitiert“, kritisiert Rauch. „Er hat ganz klar darauf hingewiesen, dass es Rechtsansprüche der Betroffenen gibt.“ Und nicht nur Rauch fürchtet, dass genau diese Ansprüche untergraben werden, wenn das Konzept der Sozialraumorientierung falsch verstanden wird. „Ich warne davor, dass das Konzept als Mittel zur Budgetdeckelung missbraucht wird.“

Landesrätin Greti Schmid ist bemüht, solche Ängste zu zerstreuen: „Ich will auf gar keinen Fall Budgets zusammenstutzen. Wir müssen das hohe soziale Niveau halten.“ Aber das Budget 2014 des Landes sieht Steigerungen im Sozialfonds von sieben Prozent vor, die auch den neuen Kollektivverträgen geschuldet sind. Gestiegen sind die Sozialbudgets immer, Jahr für Jahr. Deshalb ist nachvollziehbar, wenn niemand sich dagegen wehren würde, falls mehr Effizienz im Sozialbereich eines Tages Kosten sparen hilft.

„Bis zum Frühjahr 2014“ will die Landesrätin alle Vorschläge für Pilotprojekte sichten, „um im Anschluss daran gemeinsam über den Start eines solchen Pilotprojektes zu entscheiden“. Ob das nun die frühen Hilfen als Testgebiet sein werden oder die Behindertenhilfe in einer Region – Institutionen und Gemeinden bleiben in den Entscheidungsprozess eingebunden. Denn der eingeschlagene Weg bedeutet mehr Verantwortung für die Träger der sozialen Landschaft. Schließlich würden sie in diesem neuen System in einem festgesetzten Budgetrahmen ein vereinbartes Aufgabenportfolio lösen, statt wie bisher jeden Einzelfall zu dokumentieren. Damit passgenaue Lösungen gelingen, braucht es Michael Rauch zufolge in der Sozialraumorientierung vor allem zweierlei: „Breites Einvernehmen und Spielräume.“

Ich will auf gar keinen Fall die Budgets zusammenstutzen.

LR Greti Schmid
Michael Rauch: Eine Frage des Augenmaßes. Foto: Stiplovsek
Michael Rauch: Eine Frage des Augenmaßes. Foto: Stiplovsek

Sozialbudget

Die Ausgaben für den Sozialfonds steigen stetig. Die Voranschläge zeigen das deutlich:

2012 248.188.500

2013 261.424.200

2014 279.932.700

Die Steigerung wird für 2014 voraussichtlich sieben Prozent betragen. Land (60 Prozent) und Gemeinden (40 Prozent) tragen den Finanzbedarf gemeinsam.

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