Von Schruns nach Wien
Abgesehen von der 1918 zehn Tage dauernden Präsidentschaft der provisorischen Nationalversammlung durch den späteren Vizekanzler Jodok Fink, ist Karlheinz Kopf der erste Vorarlberger im Präsidium des Nationalrats. Aber auch in anderen Spitzenfunktionen der Republik ist die Zahl unserer Landsleute bisher überschaubar geblieben. Seit 1945 kamen lediglich acht Bundesminister und Staatssekretäre aus Vorarlberg. In einem Fall ist das selbst hierzulande weitgehend unbeachtet geblieben und kaum dokumentiert.
Der in der am 27. April 1945 gebildeten ersten Bundesregierung unter Staatskanzler Renner tätige Unterstaatssekretär DDr. Ernst Hefel war am 25. November 1888, also gestern vor 125 Jahren, in Schruns geboren worden. Nach dem Studium wurde der Jurist und Historiker bald im Unterrichtsministerium tätig und war dort schließlich als Sektionschef für die Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften zuständig. Dabei war er maßgeblich an den Verhandlungen über das am 5. Juni 1933 unterzeichnete Konkordat mit dem Vatikan beteiligt, das 1960 vom damaligen Außenminister Bruno Kreisky mit Änderungen bekräftigt wurde und heute noch gilt. Auch in der Nachkriegsregierung Renner war Unterstaatssekretär Hefel als Vertreter der ÖVP in dem vom Kommunisten Fischer geleiteten Unterrichtsministerium für die Religionsgemeinschaften zuständig. Als enger Mitarbeiter von Dr. Karl Kummer und Prof. Karl Lugmayer war er damals in der ÖVP auch ein maßgeblicher Gestalter der christlichen Soziallehre, die zu der Zeit noch einen großen Stellenwert hatte.
Mit der Übernahme der Bundesregierung durch Bundeskanzler Figl im Dezember 1945 kehrte Hefel als Sektionschef wieder in die Leitung des Kultusamtes zurück. 1949 wurde er zum Präsidenten des Österreichischen Kulturinstituts in Rom berufen, wo er dann bis zu seinem Ruhestand tätig war und großes Ansehen genoss. Der als Student bei Hefel in Rom tätige Historiker Univ.Prof. Fritz Fellner beschrieb ihn später als „streng konservativ, aber unglaublich offen für neue Entwicklungen“.
Wenig Aufhebens machte er davon, dass er 1947 nach dem Tod seiner Gattin als bürgerlicher Montafoner die jüngste Enkelin von Kaiser Franz Joseph, Erzherzogin Mathilde von Österreich-Toskana, heiratete. Nach der Pensionierung übersiedelte das Ehepaar von Rom nach Salzburg, wo sie zurückgezogen lebten und Ernst Hefel 1974 starb. Erzherzogin Mathilde überlebte ihn 17 Jahre und wurde 1991 an seiner Seite im Friedhof des Stiftes Nonnberg beigesetzt.
juergen.weiss@vorarlbergernachrichten.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
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