Junge Menschen, die für uns nicht nur durchs Feuer gehen

Junge Feuerwehrfrauen und -männer trainieren Basiswissen in der Feuerwehrschule Feldkirch.
Feldkirch. Es ist nasskalt. Die spätherbstliche Sonne hat sich am Nachmittag bereits hinter einer grauen Wolkendecke versteckt. Auf dem großen Gelände des Landesfeuerwehrverbandes in der Feldkircher Florianistraße 1 absolvieren seit den frühen Morgenstunden 36 junge Auszubildende ehrenamtlich den praktischen Teil der Basisausbildung. „Das theoretische Wissen haben sich die Feuerwehrleute, die aus allen Ecken des Landes kommen, bereits am Vortag angeeignet. Mit 16 Jahren kann man in den aktiven Feuerwehrdienst eintreten“, sagt Wolfgang Burtscher, beim Verband zuständig für Aus- und Weiterbildung. Am dritten Tag stellen die Florianijünger ihr Wissen in einer Abschlussprüfung unter Beweis.
6870 aktive Feuerwehrleute
„Marsch!“, tönt ein Befehl. Hinter einem Gerätehaus trotzen sie der Kälte und spritzen mit einem Schwerschaumrohr Spezial-Löschschaum in einem hohen Bogen auf einen Güterwaggon. „Der Schaum haftet besonders gut an der Außenhülle und kühlt somit einen überhitzten Gegenstand samt Inhalt ab“, erklärt Burtscher.
„In der Basisausbildung lernen die jungen Kollegen bereits das, was 80 Prozent ihrer Einsätze ausmacht“, betont Burtscher. 6870 aktive freiwillige Feuerwehrleute – davon 243 Feuerwehrfrauen – leisten im Land ehrenamtliche Arbeit. Jedes zweite Mitglied besucht pro Jahr mindestens ein Ausbildungsangebot an der Landesfeuerwehrschule. Vom Verkehrsunfall bis zum Katastrophenfall wie bei einem Hochwasser – der Piepser alarmiert die ehrenamtlichen Frauen und Männer der Vorarlberger Feuerwehren. Dann sitzt jeder Handgriff und die Zusammenarbeit in einem Zugverband, bestehend aus acht Feuerwehrleuten und einem Kommandanten, klappt perfekt. Jeder Zug besteht aus vier Trupps mit jeweils zwei Feuerwehrleuten. Im Schnitt werden in Vorarlberg elf Einsätze pro Tag geleistet.
Bei einem Verkehrsunfall müssen sie das Heben und Sichern von Lasten beherrschen. Stefanie Egle, Simon Winsauer, Ömer Memer, Alexander Binder und Lukas Steu – alle zwei bis sechs Jahre in ihren Ortsfeuerwehren aktiv – trainieren in einer Halle des Trainingsgeländes: Ein 940 Kilogramm schwerer Betonblock muss mittels eines Stahlhebels und kleiner Holzklötze angehoben werden. Im Übungshaus
der Landesfeuerwehrschule: Trainingsort für den „Brandeinsatz mit Leiter“. Polizei, Cobra und auch die Bergrettung nutzen die Räume, um Rettungsszenarien zu trainieren. Jetzt gilt es, die mobile Feuerwehrleiter auszufahren, zu wenden, an die Hauswand zu stellen und sicher zu fixieren. „Dann müssen sie mit dem Rohrschlauch nach oben steigen und das richtige Einsteigen durch ein Fenster üben“, erklärt Ausbilder Jürgen Batlogg. Im Hausinneren kämpfen sich gleichzeitig die Kollegen Stockwerk für Stockwerk nach oben. „Wasser marsch!“, hallt das Kommando und mit einem C-Schlauch, der 200 Liter Wasser pro Minute befördert, wird aus dem obersten Fenster ins Freie gespritzt.
Sogleich ertönt ein langes Hupen. „Das Zeichen für alle Feuerwehrleute, dass Gefahr im Verzug ist. Alle müssen auf der Stelle ihre Schläuche abdrehen und umgehend das Unfall-Gelände in Richtung Einsatzfahrzeug verlassen“, erläutert Joachim Zoderer, der seit eineinhalb Jahren die Basisausbildungen leitet.
Mit 16 Jahren kann man in den aktiven Feuerwehrdienst eintreten.
Wolfgang Burtscher


