Ärzte in Dornbirn arbeiten zu viel

Arbeitsinspektorat ortete bei Nachkontrollen im KH neuerlich „gravierende Verstöße“.
Dornbirn. Bei der Ärztearbeitszeit kennt sie kein Pardon. Im Frühjahr ließ Elisabeth Martin vom Arbeitsinspektorat Bregenz mit einer Strafanzeige gegen den Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Dr. Gerald Fleisch, aufhorchen, nachdem Kontrollen im LKH Bregenz grobe Missstände zutage gefördert hatten. Für das Krankenhaus Dornbirn setzte es wegen gleicher Probleme eine Aufsichtsbeschwerde. Es könnte nicht das letzte Ungemach sein.
Schonfrist eingeräumt
Denn aktuelle Nachkontrollen haben neuerlich „gravierende“ Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz während der verlängerten Dienste erbracht. „80 Prozent der Ärzte haben durchgearbeitet“, bestätigt die Arbeitsinspektorin. Dabei sollten die Ruhezeiten wenigstens 25 Prozent der Arbeitszeit betragen. „In Dornbirn lag dieser Wert deutlich darunter“, sagt Elisabeth Martin. Sie klingt dabei alles andere als zufrieden. Trotzdem hat sie den Spitalsverantwortlichen eine Schonfrist eingeräumt. Von Februar bis April muss Buch über die Arbeits- und Ruhezeiten geführt werden. „Danach müssen Lösungen auf den Tisch“, stellt Martin klar.
Mit den intensiven Überprüfungen will sie nicht nur „dem Gesetz genügen“. Elisabeth Martin hat die Einhaltung des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes zum persönlichen Anliegen erklärt. Die Grenzen seien ohnehin schon sehr hoch. Deshalb sollten wenigstens die eingehalten werden. „Schließlich stehen Menschen dahinter.“ Und: „Je höher die Stundenlast, umso größer die Gefahr von Arbeitsunfällen.“ Deshalb habe sie auch „hinter die Dienste geblickt“. Was sie sah, war laut Eigendefinition „besorgniserregend“. Die Frage, ob die Kontrollen bislang zu lasch erfolgten, beantwortet sie mit einem dezidierten „Nein“. Der Unterschied sei, dass sie zu strafen begonnen habe. Die Anzeige gegen den KHBG-Direktor liegt nach dessen Einspruch immer noch beim Unabhängigen Verwaltungssenat des Landes. Doch die Maßnahme zeitigte Wirkung. Bei kürzlich durchgeführten Nachkontrollen in den Landeskrankenhäusern Bregenz, Hohenems und Rankweil gab es für Martin kaum noch etwas zu beanstanden. „KHBG und LKH Bregenz haben einiges getan“, vermerkt sie positiv. So wurde etwa bei den Turnusärzten in Bregenz ein 12-Stunden-Dienst eingeführt. Außerdem hat die KHBG eine externe Firma mit der Ausarbeitung von Arbeitszeitmodellen beauftragt.
Doppelbesetzung veranlasst
Dem Krankenhaus Dornbirn attestiert sie, die Wochenarbeitszeit gut im Griff zu haben. Nach wie vor zu oft wird aber durchgearbeitet. Laut Chefarzt Primar Dr. Guntram Winder wird aber bereits ab Jänner in einer Abteilung eine Doppelbesetzung eines Dienstrads veranlasst. Mittelfristig werde die Einführung eines Zwischendiensts von 16 bis 8 Uhr geprüft. Außerdem will auch Dornbirn neue abteilungsspezifische Arbeitsmodelle erstellen lassen. Winder zur Sache selbst: „Um eine exakte Einhaltung der Arbeitszeiten sicherstellen zu können, müsste meines Erachtens über einen Schichtbetrieb nachgedacht werden. Dafür wären eine Aufstockung des Stellenplans und somit mehr Ärzte notwendig – dies bei jetzt schon absehbarem Ärztemangel. Die Kontinuität in der Patientenbetreuung würde ebenso darunter leiden wie die Ausbildungsqualität der Ärzte.“
Laut Gesetz dürfen Ärzte einen 32-Stunden-Dienst leisten, am Wochenende sind es 49 Stunden. Immer Voraussetzung ist jedoch die Einhaltung von Ruhezeiten. Die maximale Wochenarbeitszeit beträgt 72 Stunden.
Der Unterschied ist, dass ich zu strafen begonnen habe.
elisabeth martin

Neue Arbeitsinspektorin Elisabeth Martin im Portrait und am Schreibtisch