Das Hobby wurde zum Beruf

Ex-Rodel-Olympionike Franz Wilhelmer ist heute ein erfolgreicher Unternehmer.
vandans. (VN-mm) Wird er sich die olympischen Rodelbewerbe im Fernsehen anschauen? Franz Wilhelmer zuckt mit den Schultern. Wenn, dann höchstens die Rennen im Doppelsitzer. Denn vor 30 Jahren gehörte der Vandanser auch zu jenen, die den Olymp der Sportlichkeit zu erklimmen versuchten. Doch es sollte ihm nicht vergönnt sein. Mit seinem Partner Georg Fluckinger schrammte Wilhelmer am 16. Februar 1984 in Sarajevo um 15 Tausendstelsekunden an der Bronzemedaille vorbei. Die Stunden der Enttäuschung sind vergessen. Heute steht Franz Wilhelmer als erfolgreicher Unternehmer seinen Mann. Dem Sport ist er auch beruflich treu geblieben.
Vier Geschäftszweige
Ihn zu erreichen mutet wie die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen an. Bei vier Geschäftszweigen, die der rührige Ex-Rodler nach dem Ende seiner Karriere 1987 aufgebaut hat, ist eben Flexibilität gefordert. Während der Wintermonate hält sich Franz Wilhelmer hauptsächlich in seinem Skiverleih am Golm auf. Beim Sportgeschäft im Dorfzentrum, dem Outlet-Center an der Bundesstraße sowie dem Teamsport-Geschäft in Dornbirn vertraut er auf Fachpersonal. Doch über allem wacht das Auge des Chefs. Offen räumt Franz Wilhelmer ein, dass er sich uneingeschränkt als solcher sieht. Mit der Konsequenz, die ihm schon als Sportler eigen war, geht er auch als Unternehmer seinen Weg und behauptet sich gut damit in einer Zeit, in der Größere als er die wirtschaftlichen Segel streichen müssen.
Der Sport hat den 53-Jährigen gelehrt, mit Erfolg und Niederlagen umzugehen. In Sarajevo war der Frust über die verpasste Medaille so groß, dass sich der Rodler spät nachts in den Zug setzte und nach Hause fuhr. „Ich wollte einfach nicht mehr bleiben“, erinnert sich Franz Wilhelmer an eines der schwärzesten Kapitel seiner Rodellaufbahn. Das nächste folgte bei der Weltmeisterschaft 1987 in Innsbruck. Vor heimischem Publikum wollte der Vandanser im Doppelsitzer zum Weltmeistertitel rasen. „Wenn ich es nicht schaffe, höre ich auf“, ließ er seinen Vater wissen.
Nach dem Zieldurchlauf warf Wilhelmer seine Handschuhe ins Eck. Zehn Jahre mit zahllosen Erfolgen waren damit Geschichte. Dem Rodelsport ist er hinter den Kulissen weiterhin verbunden. Zum einen über Markus Prock, mit dessen Sportagentur er Veranstaltungen organisiert, zum anderen über Georg Fluckinger, dessen Rodel er in seinem Geschäft verkauft. Franz Wilhelmer selbst begann 1987 mit dem Aus- und Aufbau seines von den Eltern gegründeten Geschäfts. Eine Rolle spielte seine Verbundenheit zur Talschaft. „Ich bin und bleibe Montafoner“, sagt er und präsentiert eine Hochglanz-Broschüre, in der er das Tal und dessen Vorzüge hochleben lässt. Sogar eine eigene „Montafon Collection“ führt Wilhelmer in seinem Sortiment. Ein Montafon-Schriftzug ziert Pullover, Helme und Skier. „Ich will auch Spaß verkaufen“, betont er.
Vereinsgeschäft
Seine persönliche Vorliebe ist das Vereinsgeschäft. „Wilhelmer Teamsport“ nennt sich dieses Unternehmensstandbein. Hier kleidet Franz Wilhelmer heimische Vereine ein, darunter auch die Erstligaklubs SCR Altach und Austria Lustenau. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, zieht er ein positives Resümee über sein Leben nach dem Sport. Dass es ihm wenig Freizeit lässt, tut da nichts zur Sache.

Zur Person
Franz Wilhelmer
Geboren: 29. Juli 1960 in Bludenz
Wohnort: Vandans
Familienstand: geschieden, 2 Kinder (20 und 22 Jahre)
Beruf: Unternehmer
Hobbys: der Beruf und Golfen
Sportliche Erfolge: mehrfacher österreichischer Rodel-Staatsmeister, 4. Platz im Doppelsitzer bei der Olympiade 1984 in Sarajevo, 6. Platz bei der Olympiade 1980 in Lake Placid,
6. Platz bei der WM 1983,
5. Platz bei den Europameisterschaften 1982, zahlreiche Podestplätze bei Weltcuprennen, 2. Platz bei der Junioren-Europameisterschaft 1979 im Doppel.