Strampeln wie zu Opas Zeiten

Vorarlberg / 06.03.2014 • 21:13 Uhr
Philipp Puchmayr demonstriert das einmalige Fahrgefühl wie zur Jahrhundertwende. Das neue Waffenrad 2.0 ist erst seit wenigen Tagen auf dem Markt. foto: vn/Hartinger
Philipp Puchmayr demonstriert das einmalige Fahrgefühl wie zur Jahrhundertwende. Das neue Waffenrad 2.0 ist erst seit wenigen Tagen auf dem Markt. foto: vn/Hartinger

Das alte Waffenrad trotzt den Ultra-Leicht-Trends mit Stahl und Rücktritt mühelos.

Schwarzach. „Nein“, schüttelt Elmar Diem den Kopf, „derzeit keines auf Lager.“ Etwa zehn Waffenräder werden ihm jährlich angeboten. Um Käufer muss er sich nie Sorgen machen. Dem Reini Hämmerle in Lustenau geht es wie dem Dornbirner Altwarenhändler. Das letzte Waffenrad hat er gerade verkauft. Bejammernswert sah es aus, ein Schrotthaufen. Aber echte Fans stößt das nicht ab. Um 100 Euro wechselte es den Besitzer. Hauptsache Waffenrad eben. Der Trend hält sich beharrlich.

Dabei ist ja alles Schwindel. Mit Waffen haben die durchaus 18, 19 Kilo schweren alten Fahrräder gar nichts zu tun. Ihre Vorbilder stammten aus dem englischen Coventry und waren sehr zivil. Aber weil die Österreichische Waffenfabriks-Gesellschaft in Friedenszeiten wenig Aufträge hatte, baute sie ab Ende des 19. Jahrhunderts auch Fahrräder. Die Mannlicher Repetierbüchse hier, Stoppelbremse und Karbidlampe dort. So fing alles an.

Heute werden echte alte Waffenräder aus den 1930er- Jahren durchaus um 300 Euro aufwärts gehandelt. Je weiter im Osten der Republik, desto mehr gibt es davon. Der „Tiroler Radl-Sepp“ ist so eine Außenstelle der Erinnerungskultur. Josef Hammerle lebt heute im steirischen Hall bei Admont. Er hat seit 1982 an mehr als 900 alten Fahrrädern Tausende Stunden lang geschraubt. So wie er handeln viele inzwischen im Internet mit den Prachtstücken von ehedem.

Waffenrad 2.0

Wer im äußersten Westen der Republik dem Retro-Trend trotzdem folgen möchte, der kann sich an nagelneuen Varianten gütlich tun. Eben hat die Wiener Faber GmbH die beiden ersten wiederauferstandenen Waffenräder neuer Produktion nach Wolfurt geliefert. Philipp Puchmayr hat schon die ersten Vorbestellungen am Tisch liegen. Mit gemufftem Stahlrahmen, großen Laufrädern, Trommelbremse, Rücktritt und Dreigangschaltung kommt das Puch Waffenrad 2.0 wieder in Schwung. Und wird für 599 Euro Ladenpreis in der EU gefertigt. So bleibt das gute alte Waffenrad, das seinem martialischen Namen nie gerecht wurde, auch 120 Jahre nach seiner Erfindung en vogue.

Hunderte gebrauchte Waffenräder gibt’s im Internet.
Hunderte gebrauchte Waffenräder gibt’s im Internet.
Elmar Diem hat pro Jahr zehn Waffenräder im Laden. Foto: Heyer
Elmar Diem hat pro Jahr zehn Waffenräder im Laden. Foto: Heyer