Mountainbiker „schanzte“ versehentlich über Rampe: Verletzter klagte Gemeinde

Vorarlberg / 14.04.2014 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mountainbiker schätzte Verengung des Radweges zu spät ein, stürzte und wurde schwer verletzt. Ein Fall für das Gericht. Foto: APA  
Mountainbiker schätzte Verengung des Radweges zu spät ein, stürzte und wurde schwer verletzt. Ein Fall für das Gericht. Foto: APA  

Gericht sprach Kläger teilweise schuldig, aber auch Wegehalterin musste zahlen.

Christiane Eckert

Feldkirch, Innsbruck. Im Mai vergangenen Jahres unternahm der damals 43-jährige Kläger gemeinsam mit seiner Gattin einen Radausflug. Die beiden waren flussabwärts auf dem Hochwasserschutzdamm entlang der Bregenzer Ache unterwegs. Der Mann fuhr mit seinem 27-Gang-Mountainbike zwischen 15 und 20 km/h und hatte, entsprechend dem flach verlaufenden, rund zwei Meter breiten Weg einen der höheren Gänge eingelegt. Dann tauchte – für ihn als Ortsunkundigen offenbar überraschend – ein Hindernis auf. Eine 18-stufige Treppe und eine rund 30 Zentimeter breite Rampe überwinden an dieser Stelle des Weges einen Höhenunterschied von rund 2,5 Metern. Das übersah der Radler und er „schanzte“ regelrecht von der Dammkrone.

Schwer verletzt

Der Mann überschlug sich mehrmals und verletzte sich erheblich: Wirbel- und Nasenbeinbruch, Gehirnerschütterung, zwei abgeschlagene Zähne, Schürfwunden und Verletzung an der Lippe. Das 4600 Euro teure Mountainbike war erheblich beschädigt, der Zahnarzt verlangte knapp 6000 Euro und 10.000 Euro Schmerzengeld wurden zusätzlich in der Klage gefordert. Gesamtsumme: 19.600 Euro, die beim Landesgericht Feldkirch eingeklagt wurden.

Als Haftungsgrund wurde Wegehalterhaftung geltend gemacht. Die beklagte Gemeinde habe es unterlassen, die Unfallstelle ausreichend zu sichern.

Unfall vorhersehbar

Vor der Treppe und Rampe befindet sich ein die Wegbreite verengender Holzzaun. Der Zaun steht rechtwinklig auf dem Weg und ist mit Katzenaugen gekennzeichnet. Rund fünf Meter vor der Fahrbahnverengung, an der die Treppe beginnt, steht ein Gefahrenzeichen „Gefährliches Gefälle von 50 Prozent“. „Aus einer Entfernung von 20 Metern war das Schild gut erkennbar“, hält das Urteil fest. Dennoch meint das Gericht, dass diese Gefahrenstelle für einen nicht ortskundigen Radfahrer überraschend kommt und deshalb nicht ausreichend gekennzeichnet ist. „Es bestand die vorhersehbare Gefahr, dass ein Radler die tatsächliche Bedeutung nicht richtig erfasst und den für einen Radfahrer schlechthin unbefahrbaren Steilabfall folgt.“

Die Wegehalterin hätte ­entweder ein Stopp-Schild oder eine Vorrichtung, die zum Absteigen zwingt, anbringen müssen, heißt es im Urteil. Doch auch der Radfahrer hätte es besser machen können. „Der Kläger hätte die Gefahrenstelle rechtzeitig erkennen und die Geschwindigkeit verringern können“, räumt die Justiz ein. Das Gericht teilte das Verschulden eins zu eins auf. Was den Schadensbetrag anlangt, einigten sich die Parteien auf eine Bezahlung von insgesamt 11.000 Euro an den Verletzten.

Die Haftpflichtversicherung der Beklagten kam dafür auf. Das Urteil ist rechtskräftig.