Bedarf an Spitalsärzten steigt

Die von der EU verordnete Reduktion der Arbeitszeit kommt die Länder teuer zu stehen.
Bregenz. Die von der EU geforderte Kürzung der Arbeitszeit für Spitalsärzte auf 48 Wochenstunden kommt die Bundesländer teuer zu stehen. Laut ersten Berechnungen, die Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard durchgeführt hat, benötigen die Krankenhäuser in Vorarlberg bis zu 80 zusätzliche Dienstposten. Nach der 13,5 Millionen Euro schweren Gehaltsreform droht also die nächste finanzielle Keule. Die Höhe des Mehraufwands lässt sich laut Bernhard aufgrund der Schwankungsbreite der benötigten Arztstellen zwar noch nicht beziffern. Aber: „Diese Kosten werden wir tragen müssen.“
Neue Dienstmodelle
Derzeit dürfen Spitalsmediziner laut Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz bis zu 72 Stunden pro Woche und bis 49 Stunden durchgehenden Dienst schieben. Doch selbst diese hohe Stundenanzahl wurde hierzulande in der jüngsten Vergangenheit oft noch überschritten. Erst rigorose und vor allem regelmäßige Kontrollen durch das Arbeitsinspektorat in Bregenz brachten eine Verbesserung der Situation. Zum einen wurden mehr Ärzte eingestellt und zum anderen neue Dienstmodelle eingeführt. Momentan verfügen die Landeskrankenhäuser im ärztlichen Bereich über knapp 480 Dienstposten. Nach der unmissverständlichen Ankündigung der EU, dass auch Österreich die Wochenarbeitszeit für seine Ärzte drastisch zu reduzieren hat, musste eine neue Personalrechnung aufgemacht werden.
Die fiel in den Bundesländern recht unterschiedlich aus. So meldeten die Steiermark, Salzburg und Kärnten einen Zusatzbedarf von Hunderten Ärzten an, der Millionen kosten werde. In der Steiermark geht es laut den Spitalsverantwortlichen um 470 bis 650 zusätzliche Ärzte und einen Aufwand von 25 bis 30 Millionen Euro pro Jahr. In Salzburg würden durch die Senkung der Arbeitszeit rund 100 Stellen mehr erforderlich, wofür über 6 Millionen Euro nötig wären. In Kärnten geht es um 75 Ärzte und 4 Millionen Euro mehr. Niederösterreich möchte ohne weiteres Personal auskommen.
Stufenplan gefordert
Noch weitgehend bedeckt halten sich Oberösterreich, Wien, Tirol und Vorarlberg. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard will sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwar auch nicht auf Zahlen festlegen, erste Berechnungen liegen jedoch schon auf dem Tisch. Wie er auf VN-Nachfrage bestätigte, geht es um bis zu 80 zusätzliche Dienstposten. „Wir kommen auf über 20, liegen aber unter 80“, lautet der vorerst grobgeschneiderte Umriss. Was nichts daran ändert, dass „es sehr viel kosten wird“.
Um konkreter werden zu können, bedarf es laut Bernhard weiterer Planungen. Er gehört einer aus vier Personen bestehenden Arbeitsgruppe an, die vom Sozialministerium zu dieser Thematik eingerichtet wurde. Bernhard steht hinter der geforderten Reduzierung der Spitalsarbeitszeit. „Wir können aber sicher nicht von 2014 auf 2015 alles umstellen“, betont er. Das erfordere einen Stufenplan. Das Rohkonzept dazu soll bis Juni stehen.
Schwierige Personalsuche
Der Gesundheitslandesrat betont, dass es bei allen Überlegungen auch darum gehen müsse, innerhalb der vorhandenen Arbeitszeitmodelle ein produktives Arbeiten zu ermöglichen und Leerläufe zu vermeiden. Sobald die Planungsinhalte feststehen, werde die Personalsuche offensiv angegangen. Es braucht nicht nur Turnusärzte, von denen die Landeskrankenhäuser derzeit wieder genug haben, sondern ebenso Fachärzte. Christian Bernhard verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass inzwischen andere Bundesländer ebenfalls Gehaltsreformen im Spitalsbereich durchgeführt haben. Das Buhlen um Mediziner könnte also bald wieder härter werden.
Wir können sicher nicht von 2014 auf 2015 alles umstellen.
Christian Bernhard
Spitalsfakten 2013
» 480 Dienstposten für Ärzte gibt es in den Landeskrankenhäusern
» 210.000 Patienten wurden behandelt
» 3300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beschäftigt
» 215,6 Millionen Euro betrugen die Personalkosten
» 415,1 Millionen Euro umfasste das Gesamtbudget