Hürden für Schwerbehinderte

Vorarlberg / 11.05.2014 • 21:22 Uhr
In der Volksschule Lochau ist das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten alltäglich.  Foto: Privat
In der Volksschule Lochau ist das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten alltäglich. Foto: Privat

Integration an Schulen verschiebt sich hin zu leichter integrierbaren Kindern.

Dornbirn. „Wenn integrative Angebote in der Regelschule funktionieren, werden sie von Eltern mehr in Anspruch genommen“, sagt die Obfrau der Integration Vorarlberg, Dr. Claudia Niedermair. Zumindest da kann sie von einer positiven Entwicklung berichten. Rund die Hälfte der knapp 2000 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden an Volks-, Haupt- und Neuen Mittelschulen unterrichtet. Gleichzeitig gibt es jedoch eine Verschiebung hin zu Kindern, die leichter integrierbar sind. „Schüler mit hohem Unterstützungsbedarf stoßen immer noch auf große Hürden“, so Niedermair, sie nennt als Beispiele das Fehlen von Fahrtenregelungen und Therapien im schulischen Alltag.

Kein Schlusslicht mehr

Lange Zeit war Vorarlberg überhaupt Schlusslicht bei der schulischen Integration. Das hat sich inzwischen geändert. „Es werden kontinuierlich mehr Kinder in den Schulen integriert“, weiß Claudia Niedermair. Der Grund: Die Anzahl der Kinder, die sonderpädagogischen Förderbedarf erhalten, steigt, während die Plätze an den Sonderschulen gleichbleibend sind. Pro Schuljahr werden dort etwa 1000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Dieser Wert ist seit dem Jahr 2000 mehr oder minder stabil. Die jüngste Schulstatistik weist für die Grundschulen in Vorarlberg 31.580 Schüler aus, davon haben 1942 sonderpädagogischen Förderbedarf. 1045 von ihnen besuchen Sonderschulen bzw. Sonderpädagogische Förderzentren.

Vor einigen Jahren ließ die Lebenshilfe Österreich mit der Forderung nach Abschaffung der Sonderschulen aufhorchen. Claudia Niedermair äußerte sich dazu eher zurückhaltend. Sie möchte, dass sich die Schulen mehr in Richtung Inklusion öffnen. „Ein Schlüssel zur Inklusion ist das gemeinsame Aufwachsen. Bildungseinrichtungen leisten einen entscheidenden Beitrag, indem sie das Fundament des gemeinsamen Lebens bauen“, erklärt die Obfrau des Vereins Integration, der heuer übrigens schon 25 Jahre alt wird.

In Kindergärten und Schulen lernen Kinder Toleranz, Respekt und gegenseitige Unterstützung. „Das ist nicht etwas, das man voraussetzen kann, sondern das man von klein auf lernen muss“, betont Niedermair. Dass und wie es funktionieren kann, zeigt Südtirol. Dort wurden bereits vor mehr als 30 Jahren alle Förderschulen und Sonderklassen abgeschafft. Alle Kinder und Jugendlichen besuchen die gleichen Kindergärten und Schulen. Diese haben die Pflicht, alle Kinder aufzunehmen und für geeignete Lernbedingungen zu sorgen.

Einer mit langjähriger Erfahrung in dieser Thematik ist Franz Lemayr. Er stellt am Freitag das Südtiroler Modell vor. „Wer will, dass Menschen mit Beeinträchtigung Teil der Gesellschaft sind, kann sie nicht bereits in der Schule aussondern“, meint Claudia Niedermair.

Vortrag

Dr. Franz Lemayr: Inklusion praktisch umsetzen: Welche Voraussetzungen sind notwendig für eine erfolgreiche Umsetzung von Inklusion?

» 16. Mai 2014, 19.30 Uhr, BRG/BORG Dornbirn-Schoren

» Eine Veranstaltung der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG), der Vorarlberger Lehrerinitiative (VLI) und des Vereins Integration Vorarlberg