Fürstbischöfe
Dass in Vorarlberg tätige Bischöfe in größere Diözesen berufen wurden – wie zuletzt Klaus Küng nach St. Pölten – war früher eher die Regel als die Ausnahme. Bernhard Galura und Johann Nepomuk von Tschiderer wurden Fürstbischöfe von Trient, Simon Aicher und Franz Egger Fürstbischöfe von Brixen, der aus Lochau stammende Josef Feßler wurde Generalsekretär des I. Vatikanischen Konzils und Bischof von St. Pölten. 1934 wurde der am 29. Mai 1864, also vor 150 Jahren, in Brixen geborene Sigismund Waitz auf den traditionsreichen Bischofsstuhl von Salzburg berufen und führte fortan den Titel eines Fürsterzbischofs. Fürsten im Sinne von Staatsoberhäuptern waren die Salzburger Erzbischöfe allerdings schon lange nicht mehr. Mit der Aufhebung aller geistlichen Herrschaften zur Zeit Napoleons waren sie fortan nur mehr geistliches Oberhaupt ihrer Diözese.
Erzbischof Waitz kam 1913 als Generalvikar des damaligen Bistums Brixen nach Feldkirch und leitete, später dann als Administrator, über zwanzig Jahre die Seelsorge in Vorarlberg. Er war sozialpolitisch engagiert, galt in Salzburg aber auch als Wegbereiter des autoritären Ständestaates. Seine Ablehnung des Nationalsozialismus führte dazu, dass er letztlich aus dem Bischofssitz delogiert wurde. Waitz starb 1941 und ist in der Krypta des Salzburger Doms beigesetzt.
Der funktionslos gewordene Titel eines Salzburger Fürsterzbischofs wurde bis 1951 beibehalten. Trotzdem werden Bischöfe gelegentlich nach wie vor – eher ironisch gemeint – als Kirchenfürsten bezeichnet. Einzelne tun durch ihren Lebenswandel allerdings alles dazu, diesem Ruf gerecht zu werden. Bekanntestes Beispiel der jüngsten Zeit ist der wegen seines fürstlichen Gehabens in Ungnade gefallene Bischof von Limburg. Hier hat sich Papst Franziskus über alle konservativen Seilschaften im Vatikan hinweggesetzt, die Tebartz van Elst bis zuletzt die Mauer machten. Die Bischofsbestellungen der letzten Zeit tragen unverkennbar die Handschrift des neuen Papstes, da kam kein Kirchenfürst und kein Rechtsruck mehr. Wie die sich lange hinziehende Nachbesetzung in der Steiermark ausfallen wird, ist angesichts eines heftigen Tauziehens im Hintergrund noch offen. Vakant geworden ist inzwischen auch die Militärdiözese, falls sie nicht überhaupt aufgelassen wird. Immerhin kommen sowohl die deutsche Bundeswehr als auch die Schweizer Armee ohne eine solche Aufblähung der kirchlichen Organisationsstruktur aus. Vielleicht sagt der Papst auch hier: Kehrt euch.
juergen.weiss@vorarlbergernachrichten.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
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