Modisch und doch fair zu Fuß

Drei Mädels spürten einen Schuh auf, der auch noch glücklich macht: Karma Chakhs.
Bregenz. Eltern wissen um den Reiz der Sportschuhe namens „Chucks“ von „converse“ (Nike) noch mehr Bescheid als die jugendliche Klientel, ganz einfach, weil sie das begehrte Gut bezahlen müssen. Nun wird die berühmte Fußgewandung auch noch Gegenstand einer Matura-Arbeit. Freilich ganz anders als erwartet.
Ein Projekt muss her
Sarah Schneider aus Möggers, Stefanie Seiner aus Dornbirn und die Lauteracherin Hanna Köb maturieren 2015 an der HAK Bregenz. Sie haben sich in der dritten Klasse ökosoziales Qualitätsmanagement als Fachrichtung auserkoren und begaben sich auf die Suche einem Maturaprojekt.
Durchaus modebewusste junge Damen sind das. Hanna eher philosophisch-nachdenklich, Stefanie ganz auf Kinder und soziale Arbeit ausgerichtet. Aber, was Sarah im Fernsehen entdeckt hat, brachte Mode und soziales Engagement und jede Menge junge, frische Gedanken unter einen Hut: „Karma Chakhs“. Sportschuhe, die durch und durch fair zustande kommen. Ausgedacht hat sich das der gebürtige Laote und Wahl-Berliner Van Bo Le-Mentzel. Der 37-jährige Architekt kann Chucks auch gut leiden. Aber ihn plagten zunehmend Bedenken, wie die Schuhe wohl produziert werden. Immer wieder machten Berichte über miserable Arbeitsbedingungen die Runde. Also ließ sich Van Bo kurzerhand ein völlig faires Exemplar herstellen. In Indien und Pakistan. Er musste als Minimum 500 Stück ordern. Finanziert hat das die „Crowd“. Die Menge derer also, die der findige Berliner für seine Idee begeistern konnte. Die drei Vorarlberger Mädchen haben haarklein recherchiert, wie die Chucks, die gutes Karma erzeugen sollen, zustande kommen.
Weil die erste Tranche so gut lief, gab der Schauspieler Shai Hoffmann (32) noch einmal 1000 Schuhe in Auftrag. Wieder sicherte eine Menge Interessierter die „Schwarmfinanzierung“ und erhielt als Dankeschön jeweils ein Paar Chucks mit der Post geschickt. Verpackt wurden die Schuhe bei eigenen Verpackungs-Parties. Stefanie Seiner und Sarah Schneider reisten kurzerhand nach Berlin und halfen kräftig mit.
Van Bo und Shai haben sie lange interviewt. Dabei gelernt, wie man „Crowdfunding“ in Szene setzt und dass das eigenwillige Finanzierungsmodell gar nicht so jung ist: „Die Wurzeln des Crowdfunding“, schreiben die drei in ihrer Arbeit, „liegen weit zurück, nämlich im Jahr 1885. Um den Sockel der Freiheitsstatue zu finanzieren, nutzte der Herausgeber der New Yorker Zeitung „World“, Joseph Pulitzer, sein Medium für einen Aufruf, indem er versprach, jeden Geldgeber namentlich abzudrucken. Innerhalb von sechs Monaten kamen über diesen Weg 102.000 Dollar von 120.000 Menschen zusammen.“
Die Chucks kosten viel weniger. Für Hanna, Sarah und Stefanie ist entscheidend, dass sie mit gutem Gewissen reinschlüpfen können.



