Der Welttag der Verständlichkeit

Vorarlberg / 06.06.2014 • 18:51 Uhr
Bischof Benno firmt ein Mädchen: Der Geist soll es leiten und ermutigen. Foto: Katholische Kirche
Bischof Benno firmt ein Mädchen: Der Geist soll es leiten und ermutigen. Foto: Katholische Kirche

Geist wäre in einer Welt voller Missverständnisse als Übersetzer höchst willkommen.

Schwarzach. (VN) Wenn heute weltweit bereits jeder vierte Christ ein Pfingstler oder Charismatiker ist, dann liegt das kommende Fest ganz gut im Trend. Die am schnellsten wachsende Strömung im Christentum belegt die Sehnsucht nach Geist in einer zunehmend orientierungslosen Gesellschaft.

Auch die biblische Pfingst­erzählung rückt das Thema Verständlichkeit in den Mittelpunkt. Erst sitzen die Anhänger des Predigers aus Galiläa in ihrer Unterkunft. Vor 50 Tagen ist ihr Anführer Jesus verurteilt und gekreuzigt worden. Draußen herrscht schon wieder Hochbetrieb. Wieder ist Feiertag. Israel rüstet sich sieben Wochen nach dem Pessachfest für „Schawuot“, das Wochenfest. Dabei erinnern sich die Juden an den Empfang der zehn Gebote am Berg Sinai. Es ist auch ein Erntedankfest, da um diese Zeit in Israel der erste Weizen geerntet wird. Aber den Jüngern ist nicht nach Feiern zumute. Sie gehen nicht hinaus. Sie haben Angst.

Und da geschieht nach der Erzählung des griechischen Arztes Lukas in der Apostelgeschichte das Unfassbare. Die Verzagten werden von einem neuen Geist erfüllt, mutig öffnen sie die Tür und treten hinaus. Sie reden zur Menge. Unzählige Ausländer tummeln sich zum Fest in Jerusalem. Sie sprechen alle Sprachen der Welt. Aber jeder versteht diese Männer. 3000 sollen sich an diesem Tag bekehrt haben. Da „strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden“, schreibt Lukas.

Die Fähigkeit, zuzuhören

Vielleicht ist das Spannendste an diesem Höhepunkt der Erzählung weniger ihre linguistische Lesart: Nicht ein gewaltiger Simultanübersetzer tritt da auf den Plan, sondern vor allem die Fähigkeit, zuzuhören. So, als würde die babylonische Sprachverwirrung – auch eine Geschichte der Bibel – durch ein neues aufeinander Zugehen bereinigt. Die Männer drücken sich verständlich aus. Verstehen aber setzt Zuhören voraus. Und Zuhören erfordert Geduld, Präsenz.

Die Vorarlberger Nachrichten haben anlässlich Pfingsten drei Menschen besucht, für die das Zuhörenkönnen zu ihrem Alltag zählt. Ihre „Klienten“ drücken sich oft genug unverständlich oder unvollständig aus.

Bischof Benno firmt ein Mädchen: Der Geist soll es leiten und ermutigen.  Foto: Katholische Kirche
Bischof Benno firmt ein Mädchen: Der Geist soll es leiten und ermutigen. Foto: Katholische Kirche