Gut pariert
Man hatte es kommen sehen. Außer dem stattlichen Herrn, der sich da allen spielenden Kindern zum Trotz inmitten der Badewiese der Sonne entgegenwölbte, hatten es alle erwartet. Er indes hatte den Strohhut tief ins Gesicht gezogen, und nur an den dann und wann zuckenden Schultern konnte man ablesen, dass er hinter geschlossenen Augen das Aufklatschen des Wasserballs erwartete.
Die Kinder sahen das nicht. Die waren viel zu sehr in ihr Spiel vertieft. Zirkelten wieselflink zwischen den Badetüchern hindurch. Riefen sich ihren Mitspielern in Erinnerung: „He, I stand frei!“ Köpfelten und schossen, was das Zeug hielt. Bis ihr Ball endlich mit dem rötlich-braunen Körper kollidierte. Mit einer kaum zu erwartenden Geschwindigkeit griff der Mann zu. Triumphierend hielt er das Corpus Delicti fest in der Hand. Dann wandte er sich den Kindern zu. Eines murmelte „Entschuldigung“. Sie sahen ihn auffordernd an. Gleich würde es weitergehen. Er zögerte. Genussvoll. Dann ließ er dem Ball die Luft aus und verstaute die schlaffe Hülle in seiner Badetasche. Legte sich wieder nieder, mit süffisantem Lächeln.
Ende und aus. Halt, noch nicht ganz. Einer der Jungen stellte sich vor den Mann hin. Gleich würde er betteln. Da konnte er lange warten! Der Mann entspannte sich. Aber stattdessen deutete der Bub auf den Bauchnabel des wohlbeleibten Badegastes und sagte laut und vernehmlich: „Dir söt ma d’Luft ou uslossa!“
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