Vor geschlossener Schranke: Rentner bog sich Ausfahrt frei

Vorarlberg / 25.06.2014 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Balken wie dieser vor der geschlossenen Ausfahrt eines Kaufhauses stellte für den Pensionisten kein Hindernis dar.  Foto: Symbol/VN
Ein Balken wie dieser vor der geschlossenen Ausfahrt eines Kaufhauses stellte für den Pensionisten kein Hindernis dar. Foto: Symbol/VN

75-Jähriger wusste sich in auswegloser Situa­tion beim Interspar selbst zu helfen.

Bregenz. „Herr Richter, darf ich Ihnen etwas sagen, ohne dass Sie mich fragen?“, bat der 75-jährige Pensionist den Bregenzer Bezirksrichter Christian Röthlin. „Nur zu“, entgegnete dieser.

„Bei der Schranke war wohl schon vorher ein Mangel, da sie sich beim Einstecken der Karte nicht geöffnet hat.“ Genau das war der Knackpunkt. Was tun, wenn der Laden (in diesem Fall der Interspar) bereits dicht gemacht hat, das Auto aber noch in der Tiefgarage steht?

Denn jetzt ist auch die Ausfahrt geschlossen, die Schranke rührt sich nicht mehr. Auch nicht mit eingestecktem Ticket. Aber auch nicht ohne? Diese Frage ging dem verzweifelten Rentner sogleich durch den Kopf.

Im Stich gelassen

„Ich habe schon vorher einmal gehört, dass es für solche Fälle einen Notöffnungsmechanismus gibt. Danach hat mir das dann auch der Polizist gesagt“, erinnerte er sich gestern als Beschuldigter vor dem Bezirksgericht. „Nur, wie der funktioniert, das wusste ich im Detail zu dem Zeitpunkt nicht.“

Also entschied er sich für eine Lösung, die meistens funktioniert: Die Brachialmethode.

Mit händischer Gewalt bog er sich den Balken nach vorne so zurecht, dass einer Fahrt ins Freie nichts mehr im Wege stand.

Vor Gericht schilderte der Angeklagte den Vorgang allerdings etwas anders: „Ich benötigte keinerlei Kraft, um die Schranke zu öffnen.“ Für den Richter kaum glaubhaft. Schon gar nicht, seit er das Überwachungsvideo gesehen hat, das den Pensionisten in Aktion zeigt.

Letzterer erwähnte daraufhin einen Mitarbeiter des Kaufhauses, den er in seiner nervenaufreibenden Situation noch angetroffen habe. „Der Mann hatte sich gerade an der Schranke zu schaffen gemacht. Vielleicht hat auch er sie beschädigt. Als ich ihn fragte, was ich denn nun tun solle, antwortete er: ,Da kann man nichts machen‘. Dann ging er einfach weg! Dieser Mitarbeiter hat mich in meiner Notlage meinem Schicksal überlassen!“

Verfahren eingestellt

Nun liegt der Fall schon länger zurück. Als sich die Staatsanwaltschaft mit der Anzeige bereits vor Monaten befasst hatte, schlug sie eine Diversion vor: Sollte der Beschuldigte den entstandenen Sachschaden in Höhe von 150 Euro bezahlen, wäre die Sache vom Tisch. Doch der Rentner bezahlte erst vorgestern, einen Tag vor der Verhandlung. Aber bezahlt ist bezahlt. So stellte der Richter das Verfahren ein – vorläufig, auf eine Probezeit von einem Jahr.

Der Mitarbeiter des Kaufhauses hat mich in meiner Notlage dem Schicksal überlassen!

Angeklagter

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