Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

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Vorarlberg / 04.07.2014 • 21:03 Uhr

Noch einmal sorgen sie für Stoßverkehr an der Brottheke. Routinierte Hände geben Nussgipfel und Topfentascherl aus. Im Minutentakt wandern die Tröstungen für große Pausen in Rucksäcke und Schultaschen, wo sie allenthalben auf Hausübungsheften dauerhafte Spuren hinterlassen. Die aber mögen keine Fettflecke. Lassen sie deshalb traurig die Esels­ohren hängen?

Aber jetzt ist es ja zu Ende. Die Zeugnisse geben den Weg frei auf neun unbeschwerte Wochen. Und die Verkäuferin der Bäckerei lehnt sich zu Mittag entspannt zurück. Ruhige Tage brechen an.

Drüben im Gasthof trägt indessen eine junge Servierkraft ihre blütenweiße Bluse in die Mittagssonne. Und zwei Teller trägt sie auch. Ihre Augen suchen. Unsicher trippelt sie in den Gastgarten. Gerade, als die Ingwer-Karotten-Suppe in bedrohliche Schieflage gerät und die Brunnenkresse am äußersten Tellerrand zu liegen kommt, erspäht sie ihr Ziel. Nix passiert. Den benetzten Daumen sucht sie zu verbergen. Sie wird entzückend rot beim Servieren. Offensichtlich Studentin im Sommerjob. Für sie brechen jetzt unruhige Tage an. So also fühlt es sich an, drüben, auf der anderen Seite . . .

Seien wir deshalb nachsichtig mit den Ferialkräften. Seien wir duldsam, wenn die Suppe an anderen Tischen Zwischenstation macht. Vermutlich absolviert ihre Trägerin – ausgerechnet in den Sommerferien – gerade die wichtigsten Lektionen ihres Lebens.

thomas.matt@vorarlbergernachrichten, 05572/501-724