Als Züge noch in See stachen

Am Tourismusmagnet Bregenzer Hafen wurden bis 1925 Güterzüge verladen.
Bregenz. Es gab eine Zeit, da fand eine jede Eisenbahnfahrt am Bodenseeufer ihr natürliches Ende. Fahrgäste und Transportgut wurden auf Schiffe verladen und am anderen Ufer wieder in Züge verfrachtet, deren Lokomotiven sich alsbald fauchend und dampfend in Bewegung setzten. Die Bahnverbindung von Deutschland nach Bregenz und von dort weiter in die Schweiz existiert erst seit dem 24. Oktober 1872. Das klingt recht mühsam. Aber es war auch die große Zeit der Trajektkähne.
1888 ein Rekord
Dort, wo heute am Bregenzer Hafen Touristen in Gruppen die Bodenseeschifffahrt beleben, bahnte sich in den 1880er-Jahren ein beachtliches Geschäft an. Im südwestlichen Hafenwinkel errichteten Arbeiter die große Trajektanlage. Zwei Gleise führten direkt ans Wasser. Dort trugen zwei hohe Säulen große Räder, über die starke Ketten liefen. An ihren Enden hingen schwere Gewichte und die Trajektbrücke, die je nach Wasserstand gehoben oder gesenkt werden konnte. Mit der 1883 errichteten Trajektanlage konnten nun Güterwaggons auf Trajektkähne verladen werden. Schleppschiffe zogen die Kähne nach Romanshorn, Konstanz und Friedrichshafen. Der Bregenzer Stadtarchivar Thomas Klagian hat sich in die Geschichte vertieft und Rekordzahlen herausgelesen: „1888 liefen in Bregenz 17 Trajektkähne mit 278 Güterwaggons ein, ein Rekord. Im gleichen Jahr beförderten alle Trajektanstalten zusammen fast 92.000 Waggons, wovon fast die Hälfte auf von Bregenz auslaufende Schiffe entfiel.“ Das Geschäft boomte. Man halte sich das Bild vor Augen, wie etwa der 73 m lange Raddampfer „Trajektschiff II“ selber 16 Güterwaggons trug und auch noch zwei Lastkähne hinter sich herzog. Kein Wunder, dass so ein Dampfer für eine Überfahrt bis zu 720 Kilo Kohle brauchte.
Schwimmende Züge bis 1976
In Bregenz endete der Trajektverkehr 1925, zwei Jahre später wurde die Anlage abgerissen. Das Trockendock mit Werkstättenhalle, das die Monarchie 1888 errichten ließ, überlebte länger. Erst während des Zweiten Weltkriegs wurde die Bregenzer Schiffswerft stillgelegt und das Dock zugeschüttet. Zwischen Friedrichshafen und Romanshorn lief der Trajektbetrieb noch bis 1976 weiter, dann wurden die Schiffe zu Autofähren umgebaut. Insgesamt wurden 663.232 Güterwaggons über den Bodensee geschippert.





