Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Gelobt sei, was Krach macht

Vorarlberg / 03.08.2014 • 19:32 Uhr

Wenn Männer sich am Gartenzaun über die unbestreitbaren Vorteile ihres neuen Rasentrimmers unterhalten, als stünde da ein feuriges Motorrad in der Garage, wittern Psychologen zu Recht ein neues Marktsegment. Gewiss ist der 536 LiR mit Komfortgriff und intuitivem Bedienfeld eine Sünde wert. Und so vernünftig kann Mann ja gar nicht sein, dass die Slogans der Werber nicht verfingen: „Die Kraft in Ihren Händen“, wer suchte die nicht?

Aber während sich früher schwielige Finger um den Holzgriff einer frisch gedengelten Sense schlossen, um in langen Schwüngen das hohe Gras zu mähen, legt sich heute nach Büroschluss der Daumen auf den Einschaltknopf, und infernalischer Lärm tut der Nachbarschaft kund, dass Herr Maier gut zu Hause angekommen ist. Geköpft wird im Übrigen, was hervorsteht. Ausnahmslos. Noch nie standen Gärten so antiseptisch fahl im Sonnenlicht. Denn die Helden der Rasenkante dulden keine Rebellion. Wird der Garten am Ende zur Therapiestation für allerlei erlittene Kränkungen?

Natürlich ginge das Ganze auch leiser. Aber wer das arglos erfragt, erntet nur spöttische Blicke. Leise Geräte gelten in der Branche als unverkäuflich. Sind was für Memmen. Der Sound ist alles, wie in der Formel 1. So hat der Mann sein neues Refugium, und die Frau wartet noch immer darauf, dass endlich der Staubsauger mit V8-Geräusch und Doppelvergaser auf den Markt kommt.

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