Wetter à la carte
So wenig man den Wettervorhersagen trauen kann, ihre Wirkung erzielen sie doch mit höchster Verlässlichkeit. Wenn sich der Moderator am Vorabend anschickt, leicht hüstelnd und mit diesem entschuldigenden Unterton die nächste Wolkenfront anzukündigen, ist der kommende Tag gelaufen. Gelaufen? Ein erster verschlafener Blick gegen 7 Uhr früh offenbart einen weitgehend wolkenlosen Himmel. Zwei Stunden später hat sich die Sonne seiner bemächtigt und scheint. Ungefähr für diese Zeit hatte der Witzbold Regenschauer angekündigt.
Aber man muss ihm ja dankbar sein. Die schönsten Badeplätze, ansonsten hoffnungslos überlaufen, liegen da wie leergefegt. Das bleibt so, bis sich am späten Nachmittag die Ersten ins Freie wagen und verwundert die Augen reiben.
Längst hat man den Meteorologen ins Herz geschlossen. Man wünscht sich nichts sehnlicher als weitere so bezaubernde Irrtümer. Ach was, man möchte das förmlich buchen können. Wäre das nicht das profitable Geschäftsmodell für die Wetternachrichten der Zukunft? „Hallo, spricht hier der Wetterdienst? Den Bregenzer Strandabschnitt am Segelhafen hätte ich morgen gern für mich allein. Ginge das? Nein, es muss kein Hagel sein. Es reicht schon, wenn sie von herbstlichen Temperaturen reden und das Wort Adria-Tief zwei Mal vorkommen lassen. Ach, das kostet extra. Nun, feuchtkalte Luft tut’s auch.“
thomas.matt@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-0
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