Das ,,Tönle”
Sie hat schon wieder dieses „Tönle“. Der einfache Sachverhalt lautet: „Der Rasen muss gemäht werden.“ Man kann diesen Satz sozusagen in den Garten hinein sprechen, zu den Bäumen hinauf, ins Frühbeet hinüber. In der klammen Hoffnung, dass auch er, der drüben in der Sitzecke lümmelt und sich am Bauch kratzt, davon Kenntnis nimmt. Mehr noch, sich berufen fühlt. Aufspringt, hinübereilt ins Gartenhäuschen. Hoffnungsfrohe Naturen wählen diese Variante längstens in den ersten acht Tagen ihrer Ehe. Dann beginnen sie den Satz mangels Erfolg zu variieren.
Allgemein: „Man sollte wieder mal den Rasen mähen.“ Obgleich sie dem „man“ hörbar ein weiteres „n“ hinzufügt, geht es auf dem Weg zu seinen Gehörwindungen doch irgendwie verloren. Oder, unverdächtig euphorisch: „Gott, wie unser Rasen wächst!“ Seufzend, resignierend: „Ich werde halt wieder mal den Rasen mähen müssen.“ Oder doch werbend? „Der neue Rasenmäher macht das praktisch von allein.“
Letztendlich greift sie dann zum „Tönle“, das ihn so auf die Palme bringt: „Der Rasen muss gemäht werden.“ Ihr fragender Blick bohrt sich direkt in sein Gesicht, haltend, abwartend und eine Spur entnervt. Das „Tönle“. Sagt mehr als tausend Worte. Er hasst es. Aber jetzt mäht er. Wer sagt’s denn?
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