Vogel Strauß hilft nicht
Ein Hauch von Biedermeier legt sich übers Land, und das ist gar nicht gut so. Aber verständlich ist es. Man braucht ja nur den Fernseher aufzudrehen und sieht Enthauptungen und die allgemeine Schlächterei in Syrien, über der die schwarze Flagge der IS weht. Den neuesten Horrornachrichten von der Ebola-Front folgt die nächste Währungskrise auf dem Fuß. Angesichts der losen Aneinanderreihung von Hiobsbotschaften nimmt man das tägliche innenpolitische Theaterstück geradezu erleichtert zur Kenntnis.
Nein, man möchte am liebsten gar keine Nachrichten mehr anschauen und sich das Ohnmachtsgefühl fürderhin schenken. Und immer mehr Menschen verweigern sich auch. Sie fliehen in die virtuelle Realität, machen sich in der grenzenlosen Selbstverliebtheit der Selfie-Generation selber zur Sonne ihres winzigen Universums. Sie ziehen sich zurück auf das kleine Stück Erde, auf dem sie und ihre engsten Bezugspersonen zu Hause sind. Die böse Welt muss draußen bleiben.
Ein Hauch von Biedermeier legt sich übers Land. Man kann’s verstehen. Aber wir gefährden damit unsere Demokratie. Sie klappt nur bei einem Mindestmaß an Teilhabe. Das mag der wachsenden Menge an Schlafwandlern nicht wichtig erscheinen. Aber Schlafwandler taumeln mitunter einem bösen Erwachen entgegen. Ignoranz schützt nicht. Sie ist brandgefährlich.
thomas.matt@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-724
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