In den Fels gehauene Bahngeschichte

Planung und Ausführung der Gebirgsstrecke gelten bis heute als eine bauliche Meisterleistung.
Dornbirn. (gt) Obwohl die meisten Zugreisenden die Fahrt „über den Arlberg“ schon längst als normal empfinden: Die Bahntrasse zwischen Landeck und Bludenz ist nach wie vor eines der beeindruckendsten Bauwerke menschlicher Ingenieurskunst.
Treibende Kraft hinter diesem ehrgeizigen Großbauprojekt waren die Vorarlberger Industriellen Hämmerle, Fussenegger, Rhomberg und vor allem Carl Ganahl, Präsident der Vorarlberger Handelskammer. Bereits seit 1847 pochte der Feldkircher Textilindustrielle auf den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Innsbruck und Vorarlberg, ging es doch darum, neue Absatzmärkte in Innerösterreich, Ungarn und am Balkan zu erschließen.
Unterstützt wurden die Vorarlberger von englischen Industriellen. Diese wollten ihre Baumwolle von Ägypten auf kürzester Strecke via Arlberg an die französische Kanalküste nach Calais und von dort weiter nach Dover transportieren. Trotz seiner andauernden Bemühungen konnte Ganahl jedoch nur den Bau der Strecke Bludenz –Bregenz–bayrische Grenze mit Zweiglinien nach Buchs und St. Margrethen durchsetzen, welche 1872 eröffnet wurde. Etliche Techniker hielten den Bau einer Bahnlinie über den Arlberg lange Zeit für unmöglich. Aber auch die horrenden Kosten spielten ein Rolle.
Neue Brisanz erhielt der Bau einer Bahnstrecke von Innsbruck nach Bludenz wegen des deutsch-französischen Krieges 1870/71. Durch deutsche Zollbeschränkungen und Einschränkungen im grenznahen bayerischen Bahnverkehr war Vorarlberg vom restlichen Österreich plötzlich isoliert. Experten brüteten über die beste Lösung. Diskutiert wurde der Bau einer Bahnstrecke vom Tiroler Paznauntal ins Montafon oder vom Stanzer Tal ins Klostertal. Geprüft wurden zudem eine Zahnradbahn über den Arlberg sowie der tollkühne Bau eines mehr als zehn Kilometer langen Bahntunnels von St. Anton nach Langen am Arlberg. Letztere Idee hat sich schließlich durchgesetzt.
Im Juni 1880 war es so weit: Dies- und jenseits des Arlbergs dröhnten Schlagbohrmaschinen und Drehbohrer und kämpften sich hüben und drüben täglich fünf Meter weit in die Stollen. Die Bauleitung oblag dem Wiener Oberbaurat Julius Lott, der sich schon beim Bau der Brennerbahn und der ungarischen Bahn große Verdienste erworben hatte.
Die Fertigstellung der Arlbergbahn vier Jahre später sollte der Eisenbahnpionier jedoch nicht mehr erleben. Julius Lott starb 1883. Sein Nachfolger wurde Johann Poschacher, der das Werk 1884 vollendete. Die Eröffnungsfahrt im Herbst 1884 erfolgte durch Kaiser Franz Josef höchstpersönlich.
Harte Arbeit
Tausende Arbeiter leisteten beim Bau der Arlbergbahn und des Arlbergtunnels harte Arbeit. Dutzende verloren dabei ihr Leben. Viele Arbeiter kamen aus dem Trentino, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Allein in Langen am Arlberg waren 3500 Arbeiter in Baracken untergebracht, was der dreifachen Bevölkerungszahl des ganzen Klostertals entsprach. In Klösterle gab es Jahre hindurch 20 bis 25 Schüler, aber 1881 waren es schon 130, im Jahr darauf 140. In Braz konnte man von 1880 bis 1884 zwischen 40 Schenken und Gasthäusern auswählen, in Dalaas und Klösterle waren es mindestens ein Dutzend.
Überhaupt hat der Bau der Arlbergbahn das Leben der Bevölkerung des Klostertals stark verändert. Anfangs waren die Bewohner in den Ortschaften von Langen über Stuben, Dalaas, Klösterle, Wald und Braz skeptisch. Man stöhnte über mögliche Belastungen von Natur und Landwirtschaft und hohe Kosten. Doch viele haben letztendlich von dem Megaprojekt profitiert. Die meisten Klostertaler saßen während des Winters arbeitslos auf ihren Bauernhöfen.
Mit der Eisenbahn kam nun ein wirtschaftlicher Aufschwung. Durch Grundablösen und Schadensgutmachung auf den Feldern floss reichlich staatliches Geld in die Talschaft. So mancher Landwirt vermietete seine Gehöfte an die Bahn, welche Unterkünfte für die Arbeiter brauchte.
Neue Straßen, Wege, Güterwege und Zufahrten wurden gebaut, die Basis für den zukünftigen Tourismus. Nicht zuletzt veränderte sich im Klostertal und im übrigen Vorarlberg durch den Bau der Arlbergbahn die Bevölkerung, wovon heute noch die zahlreichen italienischen Namen zeugen.

Arlbergbahn
» Der Arlbergtunnel ist 10.250 Meter lang
» Der höchste Punkt liegt auf über 1300 Meter
» Die Westrampe von Bludenz bis
St. Anton beträgt 35,6 Kilometer
» Die Ostrampe von St. Anton bis Landeck beträgt 27,6 Kilometer
» Täglich sind rund 80 Güter- und Fernzüge unterwegs
» Über 4000 Bahnkunden reisen täglich über die imposante Gebirgsstrecke