Ringen um die Ärztearbeitszeit

Vorarlberg / 14.11.2014 • 21:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der zeitintensiven Chirurgie könnte das neue Arbeitszeitgesetz zum Problem werden. Symbolfoto: VN
In der zeitintensiven Chirurgie könnte das neue Arbeitszeitgesetz zum Problem werden. Symbolfoto: VN

Ärztekammer in Vorarlberg empfiehlt Spitalsärzten befristete Optierung aus EU-Gesetz.

dornbirn. Die nun auch von Österreich verlangte Reduktion der Arbeitszeit für Spitalsärzte auf 48 Wochenstunden verursacht ordentlichen Wirbel. In Kärnten gingen rund 500 Ärzte auf die Straße. Die Wiener Ärztekammer fordert mindestens 30 Prozent mehr Gehalt und hat zudem aufgerufen, keine Opt-out-Regelung zu unterschreiben. Das würde bedeuten, dass ab dem 1. Jänner 2015 in den Krankenhäusern der Bundeshauptstadt die Ärzte während der Woche nur noch 48 Stunden Dienst machen.

Zeit für Strukturänderungen

Vorarlberg geht einen anderen Weg. „Wir empfehlen den Kolleginnen und Kollegen, befristet aus der EU-Vorgabe zu optieren“, sagte der Sprecher der Spitalsärzte, Dr. Hermann Blassnig, auf VN-Nachfrage. Damit soll den Krankenhausträgern genügend Zeit für die erforderlichen Strukturänderungen eingeräumt werden. Dabei geht es vor allem um die künftige Abgeltung von Überstunden und Journaldiensten. Die muss gänzlich neu verhandelt und aufgestellt werden. Außerdem wollen die Ärztevertreter die Ergebnisse eines laufenden Arbeitszeitprojekts  abwarten. „Die Kammer ist bereit, mit den Spitalsträgern eine gute Lösung zu finden“, bekräftigte Blassnig. Es liege auch den Ärzten daran, die Patientenversorgung in der derzeitigen Qualität zu gewährleisten. Gleichzeitig wird mit der Befristung ein gewisses Maß an Druck gegenüber den Arbeitgebern aufrechterhalten.

Betroffen vom neuen Arbeitszeitgesetz, das in dieser Form eigentlich schon seit 2003 existiert, sind rund 700 Medizinerinnen und Mediziner. Die Unterschriften müssen zwecks weiterer Dienstplanung bis Ende des Monats geleistet werden. Ein Formular, das die mit 30. September 2015 angelegte Befristung bereits enthält, wurde von der Ärztekammer vorbereitet. „Das Opt-out-Gesetz erfordert die Zustimmung jedes Einzelnen“, erklärt Hermann Blassnig. Ärzte, die sich dazu nicht explizit äußern, fallen per Jahresanfang automatisch in die 48-Stunden-Regelung.

Eine andere Situation

Dass die Vorarlberger Ärztekammer die vorläufige Beibehaltung der derzeitigen Arbeitszeitpraxis empfiehlt, hängt laut Blassnig auch mit der hier etwas anderen Situation zusammen. Besonders die schon durchgeführte Gehaltsreform bot Anlass zur Konsensbereitschaft. Was die Bezahlung der Überstunden und Journaldienste anlangt, hat die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) laut dem Spitalsärztesprecher konkurrenzfähige Lösungen zugesichert. Bis Ende April 2015 will die KHBG zudem neue Dienstmodelle vorlegen.

Mehr Ärzte notwendig

Das neue Spitalsarbeitszeitgesetz wird in Österreich in Etappen eingeführt. Ärzte, die hinaus optieren, können bis 2017 noch 60, von 2018 bis 2021 noch 55 Wochenstunden arbeiten. Danach gilt für alle die 48-Stunden-Regelung. Für die Krankenhäuser in Vorarlberg bedeutet das einen Mehrbedarf von 80 bis 100 Ärzten, wobei die Suche vor allem nach Fachärzten schwierig ist. Blassnig hofft dennoch, dass die nötigen Strukturänderungen ohne Qualitätsverlust und Mehrbelastung der Mitarbeiter zu bewerkstelligen sind.

Die Spitalsärzte sowie die Krankenhausträger wurden noch gestern über die Opt-out-Empfehlung informiert.

Das Opt-out-Gesetz braucht individuelle Zustimmung.

Hermann Blassnig
In der zeitintensiven Chirurgie könnte das neue Arbeitszeitgesetz zum Problem werden. Symbolfoto: VN
In der zeitintensiven Chirurgie könnte das neue Arbeitszeitgesetz zum Problem werden. Symbolfoto: VN