Wenig Elektro und viel Diesel unter der Haube

Vorarlberg / 27.11.2014 • 18:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wenig Elektro und viel Diesel unter der Haube

172 Autos stehen im Dienst des Landes. Chauffeure gibt’s lediglich für die Regierung.

BREGENZ. Ein großes Unternehmen besitzt meistens eine dementsprechende Flotte an Fahrzeugen. Das Land Vorarlberg ist ein sehr großes Unternehmen – der Fahrzeugpool deswegen nicht gerade schmal. 172 motorisierte Vierräder stehen im Besitz des Landes. Doch wer sich eine Landhaus-Garage voller Limousinen vorstellt, der irrt.

172, das klingt erst mal kräftig. Doch Landesdienst bedeutet nicht nur Landhaus Bregenz. Dazu zählen die Bezirkshauptmannschaften (BH), die Wasserversorgung, Hochbauabteilung, Forstabteilung, Straßenbauabteilung und so weiter. Der neueste Wagen, ein Skoda Fabia, wurde erst am 15. September zugelassen und ist zugleich der Fahrzeugtyp, der den Landesbediensteten offensichtlich am liebsten ist. 74 Exemplare dieses Typs besitzt das Land derzeit. Gerd Platzer, zuständig für den Fuhrpark des Landes, erklärt: „Preis-Leistung passt bei diesem Auto ziemlich gut.“ Nicht nur Skoda, auch andere Karossen des Volkswagenkonzerns sind überdurchschnittlich häufig vertreten. Das hat laut Platzer einen einfachen Grund: „Unsere beiden Mechaniker haben sich auf VW und Skoda spezialisiert.“

Zwei Audi und fünf BMW

Die Landesregierung fährt freilich keinen Fabia. Dem Landeshauptmann, den Landesräten und dem Landtagspräsidenten stehen zwei Audi A6 und fünf Fünfer BMW zur Verfügung, inklusive Chauffeur. Vor nicht allzu langer Zeit waren es noch acht Stück, doch die beiden neuen grünen Landesräte Katharina Wiesflecker und Johannes Rauch versuchen es mit Carsharing. Sie teilen sich ein Auto mit Fahrer. Rauch will dies nur im Notfall in Anspruch nehmen: „Meine Priorität der Fortbewegung ist: zu Fuß, mit dem Rad, Zug, Elektro-Auto und erst dann der Dienstwagen.“ Auch die anderen Landesräte lassen sich längst nicht mehr ständig durch die Gegend kutschieren. Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) zum Beispiel fährt nach eigenen Angaben 80 Prozent der Wege selbst. Auch zu einem Termin bei den VN vergangenen Mittwoch kam er selbst. Sehr wohl werden einige Regierungsmitglieder zu Hause abgeholt. Landesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) fällt nicht in dieses Schema, sie wohnt in Bregenz und geht die wenigen Minuten ins Büro zu Fuß. Dass der Landeshauptmann aber täglich in Frastanz abgeholt wird, lässt sich durchaus rechtfertigen.

Das Auto als Arbeitsplatz

Ein Dienstwagen ist ein mobiles Büro. Es wird telefoniert, geschrieben, diskutiert, eben gearbeitet. Steigt Markus Wallner ein, ist er schon mitten im Arbeitsalltag. Auch die anderen Regierungsmitglieder nützen die Zeit zwischen den Terminen, um die To-do-Liste abzuarbeiten. Landesrat Christian Bernhard sagt: „Ich wüsste gar nicht, wie ich ohne Dienstwagen tun sollte. Bei den vielen Terminen. Ich habe das halbe Büro im Auto.“ Übrigens: Ein Dienstwagen darf nur für Dienstfahrten und Fahrten zwischen Wohn- und Dienstort verwendet werden. Diese müssen allerdings ganz normal versteuert werden. Das Bild des Chauffeurs, der in der Garage auf seinen Einsatz wartet, stimmt auch schon längst nicht mehr. Die Fahrer werden zusätzlich in den Büros eingesetzt, auf den Terminen sorgen sie unter anderem für die Fotos für Presseaussendungen.

Bei der Anschaffung der Wagen wird laut Gerd Platzer darauf geachtet, dass der CO2-Ausstoß so gering wie möglich gehalten wird. Autos, die für kurze Strecken gedacht sind, sollen zukünftig mit Elektro-Motor ausgestattet sein. Da stellt sich natürlich die Frage: Warum bisher nicht? Derzeit stehen lediglich 14 E-Autos und neun Erdgasautos im Landesdienst. Ganze 107 Fahrzeuge werden von Diesel angetrieben.

In der Landhausgarage schon gut sichtbar, in der Statistik des Fuhrparks noch nicht: Die Elektroautos.
In der Landhausgarage schon gut sichtbar, in der Statistik des Fuhrparks noch nicht: Die Elektroautos.
Wolfgang Vögel in der Werkstatt der Landhausgarage unter einem BMW der Regierung.  Fotos: VN/Paulitsch
Wolfgang Vögel in der Werkstatt der Landhausgarage unter einem BMW der Regierung. Fotos: VN/Paulitsch
Bernadette Mennel wohnt nur wenige Meter vom Landhaus entfernt. Sie kommt zu Fuß zur Arbeit.
Bernadette Mennel wohnt nur wenige Meter vom Landhaus entfernt. Sie kommt zu Fuß zur Arbeit.
Johannes Rauch und sein liebstes Gefährt. Er fährt so oft wie möglich mit dem Zug.   Foto: Privat
Johannes Rauch und sein liebstes Gefährt. Er fährt so oft wie möglich mit dem Zug.   Foto: Privat