Wenn das Ich die Koffer packt
Der Sprühschnee im Großen wie im Kleinen bringt die Hänge und selbst gebastelten Krippen nicht einmal mehr halbwegs in Weihnachtsstimmung. Blechbläser blasen mit dem Föhn um die Wette. Immerhin: Für dieses Mal können die Daheimgebliebenen den Winterflüchtlingen Bilder vom blühenden Forsythienstrauch hinterherschicken. Und das „Ätsch“ tönt unausgesprochen um so lauter um den Erdball.
Fällt Weihnachten heuer ins Wasser? Natürlich nicht. Stiefvater, Mutter, Kind, Ochs und Esel sind, wenn man der Geschichte trauen mag, ohnedies willkürlich ins alpenländische Idyll integriert worden. Im Original zogen sie bei sengender Hitze über steinigen Wüstenboden.
Das hat die Menschen nie bekümmert. In Südindien fährt die heilige Familie auf einem Boot aus geflochtenem Bast ihrem ungewissen Schicksal entgegen, im Sudan sind Maria und Josef nachtschwarz. Es gibt sie in allen Variationen. Weihnachten ist so was von international! Es hat tatsächlich sehr viel mit persönlichen Vorstellungen, mit Wünschen und auch mit Reisen zu tun: Weihnachten geschieht nicht zwangsläufig, wann und wie wir es in unserem Terminkalender eingetragen haben. Es ereignet sich, wenn das Ich die Koffer packt und dem Du die Bühne überlässt.
thomas@matt.vol.at
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