Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Was alles bleiben soll

Vorarlberg / 30.12.2014 • 20:46 Uhr

Ächzend erhebt sich der arg beanspruchte Körper. Trübe wagt das Auge durch den Schleier der feiertäglichen Orgien hindurch einen ersten Blick aufs neue Jahr. Liegen da noch ein paar Cremetörtchen im Weg? Da links, neben den Resten vom Mayonnaisesalat? Es ist genug! Ermattet sinkt der Kopf in die Kissen zurück und denkt sich: Jetzt nur ja keine Vorsätze.

Nichts überhasten. Erst die Bilanz. Oder nein, das Kapitel überspringen wir. Warum 2015 im Schockzustand betreten? Nur leider eilt es. Heftig pfeift der Sturm an Veränderungswünschen allerorten. Alles muss anders werden. Und zwar exakt um 0 Uhr am 31. Dezember. Nur, warum eigentlich?

Dem Strom guter Vorsätze setzen wir probehalber mal entgegen, was alles bleiben soll. Die tragfähigen Beziehungen zum Beispiel. Vor allem jene, die gehalten haben, obwohl man sie gleichgültig mit Füßen trat. Oder die simple Tatsache, dass man zwei gesunde Hände und Füße und einen Kopf hat, um nachzudenken. Selbst das smarteste iPhone reicht nicht ran an den Rechner, den wir tagtäglich auf unseren Schultern spazieren tragen. Ein paar Schritte im Schnee setzen die Fähigkeit zum Staunen noch auf die Liste, gleich neben die Liebe zur Natur. Schon wenn das alles intakt bleibt, haben wir ziemlich gute Karten für 2015.

thomas@matt.vol.at