Weiter Ärger wegen Zugkarten

Vorarlberg / 06.01.2015 • 18:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 22. Oktober 2014.
VN-Bericht vom 22. Oktober 2014.

Senioren protestieren gegen Nicht-Kombinierbarkeit von Verbundtickets.

Bregenz. Zwischenfälle wie jener am 4. Dezember des Vorjahres häufen sich. Wie so oft fährt Christl Klien (61) aus Götzis mit dem Railjet nach Innsbruck. Frau Klien besitzt eine gültige Verkehrsverbundkarte von Vorarlberg zum Seniorentarif von 256 Euro und ein gültiges Verbundticket von Tirol zum Seniorenpreis von 240 Euro. Sie darf also in beiden Bundesländern die öffentlichen Verkehrsmittel benützen. Laut ÖBB-Handbuch ist die Kombinierbarkeit beider Tickets für eine bundesländerquerende Reise an einem Tag jedoch nicht erlaubt. Genau das wird Frau Klien und ihrer Bekannten Elfriede Plangg aus Altach zum Verhängnis.

Unschöne Szenen

Klien und Plangg bleiben im Zug und werden vom Schaffner gestellt. Es kommt zu einer verbalen Auseinandersetzung. Die beiden Senioren weigern sich vorerst, für die Weiterfahrt nach Innsbruck extra zu zahlen und verweisen auf ihr gültiges Ticket für den Verkehrsverbund Tirol. „Ich habe dann schließlich den Zusatztarif von 23,70 Euro bezahlt, meine Bekannte nicht. Die lässt es darauf ankommen. Sie nahm zwar eine schriftliche Zahlungsaufforderung von 120 Euro vom Schaffner entgegen, hat diesen Betrag jedoch noch nicht bezahlt und will das juristisch anfechten. Sie hat den ÖBB einen Brief geschrieben.“

Klien, Plangg und andere Senioren mit ähnlich unangenehmen Erlebnissen in St. Anton wollen sich nun gemeinsam wehren. „Es kann doch nicht sein, dass ich für zwei Regionen gültige Zugkarten habe, diese jedoch nicht in Kombination nützen darf.“

„Schildbürgerstreich“

Wie die VN bereits berichteten, sorgt das Verbot der Aneinanderreihung von Verbundtickets für eine Zugreise schon länger für Ärger. So hatte etwa Karl Studer (59), Verwaltungschef des Bildungshauses St. Arbogast, diese Regelung als „Schildbürgerstreich sondergleichen“ bezeichnet. In St. Arbogast waren wiederholt Kursteilnehmer aus Tirol zu Opfern der geltenden Regelungen geworden. Auch der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Vorarlberg, Christian Hillbrand (39), fordert eine kundenfreundliche Lösung.

Bei den ÖBB sieht man sich völlig zu Unrecht in der Kritik. „Wir haben unseren Beitrag zu den sehr günstigen Angeboten in den Verkehrsverbünden der jeweiligen Region geleistet. Damit verdienen wir nichts. Aber es kann doch nicht sein, dass man diese Tickets einfach auch für den Fernverkehr nützen darf. Wir sind zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet und müssen unsere Einnahmen haben“, rechtfertigt sich ÖBB-Pressesprecher René Zumtobel. „Die Kunden werden vor dem Kauf der Verbundtickets dezidiert auf die geltenden Bestimmungen aufmerksam gemacht. Diese Kritik ist nicht fair“, so Zumtobel weiter. Dass die Optik einer solchen Konstellation für Außenstehende schief ist, räumt Zumtobel ein. „Hätten wir von vornherein die Fernzüge nicht für die Verbundangebote zugelassen, hätten wir dieses Problem jetzt nicht“, sieht der Regionalmanager für den Personenverkehr in Vorarlberg, Gerhard Mayer (59), die ÖBB als Opfer ihrer eigenen Großzügigkeit.

Dennoch sollen schon kommende Woche Gespräche für eine Lösung des Problems, das auch viele Studenten betrifft, aufgenommen werden.

Es kann doch nicht sein, dass ich gültige Tickets nicht kombinieren darf.

Christl Klien