Kampf um Ärzte wird schärfer

Bessere Abschlüsse in anderen Bundesländern bereiten in Vorarlberg Sorgen.
dornbirn. Als „großer Wurf“ und „gute Sache“ wurde die Gehaltsreform für Spitalsärzte dereinst gefeiert. Inzwischen hat sich die Situation allerdings gewandelt, und das nicht unbedingt zum Besseren. Grund sind die Verhandlungsergebnisse in anderen Bundesländern, vornehmlich in Salzburg, wo die Ärzte künftig zwischen 30 und 37 Prozent mehr verdienen. Bei den Turnusärzten kann Vorarlberg zwar finanziell mithalten, nicht jedoch im Fachärztebereich. „In Salzburg etwa werden Fach- und Oberärzte zum Teil sogar deutlich besser entlohnt“, sagt Spitalsärztesprecher Dr. Hermann Blaßnig. Und das könnte den Kampf um gute Ärzte wieder verschärfen. „Wir wollen die Gehaltsreform nicht neu aufrollen“, betont Blaßnig. Aber andere Einkommensbestandteile, wie die Überstundenabgeltung und die Dienstpauschalen, müssten nach zwanzig Jahren endlich auf neue Beine gestellt werden, und das möglichst bald. Auch, weil in den nächsten Jahren zahlreiche Pensionierungen anstehen. Und diesmal wollen die Ärztevertreter nicht nur Zuschauer sein, wie dies bei den Verhandlungen zur Gehaltsreform der Fall war. „Wir wünschen uns ein Gesprächsmandat“, formuliert Hermann Blaßnig zuvorkommend.
Politik in der Pflicht
Bei der Neuregelung der Überstunden und Dienstpauschalen sieht er in erster Linie die Politik und da den Finanzreferenten, Landeshauptmann Markus Wallner, in der Pflicht. Der Spitalsärztesprecher, Vertreter von rund 700 Medizinern, verweist auf Salzburg, wo Politik und Ärztekammer eine Lösung auf den Tisch brachten, die von 84 Prozent der Ärzte gutgeheißen wurde. „Allein werden die Träger das Problem nicht lösen“, ist Hermann Blaßnig überzeugt. Und man könne auch nicht darauf vertrauen, dass alle Ärzte noch weiter bereit sind, länger als die 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Das ist derzeit der Fall, nachdem ein Großteil die mit Ende September 2015 befristete Opt-out-Regelung unterschrieben hat. Blaßnig verteidigt die Maßnahme: „Wir wollten das in Planung befindliche Arbeitszeit- und Dienstmodellprojekt nicht gefährden.“
Schnell wieder weg
Nun spitze sich die Situation jedoch zu. Denn: „Andere Bundesländer sind auf der Überholspur.“ Dazu kommt noch die geografisch kritische Nähe zur Schweiz, die noch attraktivere Arbeitsbedingungen für Ärzte bietet. Tatsache ist laut Hermann Blaßnig auch, dass inzwischen mehr Turnusärzte aus anderen Bundesländern als aus Vorarlberg an den heimischen Spitälern tätig sind. „Die können jetzt aber ebenso schnell wieder weg sein“, gibt er zu bedenken. Nicht zu reden von den Fachärzten, die auf die Pension zusteuern. „Die lassen sich nicht aus dem Ärmel schütteln“, rechnet Blaßnig vor, dass beispielsweise ein Chirurg wenigstens zehn Jahre bis zur vollen Einsatzfähigkeit braucht. Mit der bestehenden Gehaltsreform werde es schwierig, Fachärzte ins Land zu holen. „Für sie war der große Wurf nicht groß und nicht gut genug“, resümiert Hermann Blaßnig. Wird nichts getan, sei es wohl auch kaum möglich, die wegen des neuen Arbeitszeitgesetzes nötigen zusätzlichen 80 bis 100 Ärzte zu rekrutieren. Wenn das nicht gelinge, könnten Abteilungsfusionen, ja sogar Schließungen drohen.
Dass Vorarlberg nicht mehr vorne liegt, vor allem nicht bei den Fachärzten, belegt auch ein aktueller Gehaltsvergleich jener Beratungsfirma, die sowohl in Vorarlberg als auch in Salzburg die Gehaltsreform begleitete.
Andere Bundesländer sind jetzt auf der Überholspur.
Hermann Blaßnig