Asiatische Buschmücken im Anflug

Sie gingen Experten in Hörbranz ins Netz. Gesundheitsgefahren werden nun abgeklärt.
Bregenz. Die heimische Stechmückenfamilie hat Zuwachs erhalten. Erstmals wurde in Vorarlberg die asiatische Buschmücke nachgewiesen. Sie ging Experten im Rahmen einer von der EU geförderten Mückenuntersuchung in Hörbranz ins Netz. Das Problem: Die asiatische Buschmücke ist Trägerin des West-Nil-Virus, sie kann das Dengue-Fieber und sogar die Japanische Enzephalitis übertragen. Welche gesundheitliche Relevanz das Auftreten dieses ursprünglich in Japan, Korea und Südchina beheimateten Exoten für das Land hat, bedarf allerdings erst einer Klärung. Dazu ist eine flächendeckende Untersuchung geplant, wie Gesundheitslandesrat Christian Bernhard dazu auf VN-Anfrage bekanntgab.
An Krankheiten denken
Fachleute empfehlen demnach, schon vorab tätig zu werden. Dann wäre Klarheit gegeben, ob diese Mücken tatsächlich Träger des West-Nil-Virus sind. Gleichzeitig betonte Bernhard die Notwendigkeit einer Bewusstseinsbildung für die mögliche neue Gefahr. „Ärzte müssten auch an diese Krankheiten denken, wenn Patienten mit entsprechenden Symptomen vorstellig werden“, ergänzte er. In der Steiermark, in Kärnten sowie in Oberösterreich wurden bereits großflächige Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Auftreten der asiatischen Buschmücke durchgeführt.
Auch inatura-Biologe Klaus Zimmermann erscheint es wichtig, dass Ärzte das Vorliegen tropischer Krankheiten nicht mehr von vorneherein ausschließen. Er verweist auf die Reisetätigkeit und darauf, wonach Tropenkrankheiten nicht ausschließlich etwas mit Mücken zu tun haben. „Mücken sind nur bevorzugte Wirtstiere für solche Viren“, weiß Zimmermann. Was die asiatische Buschmücke angeht, habe er eine solche schon vor einigen Jahren im inatura-Garten beobachtet, sich damals aber noch nichts dabei gedacht. Inzwischen gebe es auch von zwei Biologen im Land sichere Hinweise auf das Vorhandensein dieser Mücke.
Sie wird nach Einschätzung von Klaus Zimmermann nicht der letzte Exot sein, der seinen Weg in unsere Breiten findet: „Es werden mit Sicherheit noch mehr.“
Fliegende Virenträger
Trotz ihrer Winzigkeit gelten Mücken als das größte Gesundheitsrisiko für Menschen, weil sie am meisten gefährliche Krankheiten übertragen können. „Das heißt aber nicht, dass mit den Mücken auch die Krankheiten eingeschleppt werden“, beruhigt Klaus Zimmermann. Weiters ist das Infektionsrisiko unterschiedlich hoch. Das Dengue-Fieber beispielsweise wird nur von Mücke zu Mensch übertragen, was die Verbreitung deutlich einschränkt. Dennoch müsse die aktuelle Lage genau beobachtet werden, meint Zimmermann.
Mücken im Weihwasserkessel
Er spricht im Falle von Vorarlberg auch von einer besonderen räumlichen Situation. Das meiste Getier zieht seinen Erfahrungen zufolge nämlich über Basel und Karlsruhe ins Land. Der Grund: Es handelt sich bei diesem Landstrich um eine klimabegünstigte Zone. In der Schweiz werden die blutsaugenden Einwanderer übrigens bevorzugt im Bereich von Friedhöfen eingesammelt. „Weihwasserkessel und Vasen mit abgestandenem Wasser sind ideale Brutstätten für exotische Mücken“, weiß Klaus Zimmermann. Er hält die Mückenkartierung der Eidgenossen zudem für eine der besten überhaupt.
Mücken sind nur bevorzugte Wirtstiere für solche Viren.
Klaus Zimmermann
Stichwort. Asiatische Buschmücke, West Nil Virus und Dengue-Fieber
Die asiatische Buschmücke ist eine ursprünglich in Japan, Korea und Südchina beheimatete Stechmückenart, die als Überträger von Krankheitserregern wie dem West-Nil-Virus und von verschiedenen Arten von Enzephalitis-Viren für den Menschen bedeutsam ist. Die Mücke ist dunkel- bis schwarzbraun und hat auffällige silbrig-weiße Querbinden am Körper und auf den Beinen. Das Insekt wurde als Neozoon in Nordamerika und Europa eingeschleppt. Da sie auch in den kühleren Gebieten Japans und Chinas beheimatet ist, konnte sie auch in den nördlichen Breiten anderer Kontinente überleben. Seit dem Jahre 2000 verbreitet sich die asiatische Buschmücke auch in Deutschland, der Schweiz und Österreich.
West-Nil-Virus. Das West-Nil-Virus gilt als Erreger von West Nil Fieber, das sich in grippeähnlichen Symptomen äußert, im Großteil der Fälle aber harmlos verläuft. Das Virus ist nach dem Ort seiner Erstentdeckung, dem West-Nil-Distrikt in Uganda (Afrika) benannt. Vor 1999, dem Jahr, in dem es in die USA eingeschleppt wurde, kam das West-Nil-Virus nur in Teilen Südeuropas, Afrikas und Asiens vor. Heute findet es sich auch zunehmend in Mitteleuropa. Die Bedeutung des Klimawandels als Ursache für das Vordringen von „fremden“ Stechmückenarten in den Norden wird zwar diskutiert, als gesichert gilt jedoch, dass auch einheimische Stechmücken-Arten zur Verbreitung des West- Nil-Virus beitragen.
Dengue-Fieber. Zu den am weitesten verbreiteten und am häufigsten übertragenen fieberhaften Infektionen gehört das Dengue-Fieber. Jährlich erkranken rund 100 Millionen Menschen. Auch wenn diese Infektion als relativ harmlos gilt, führt sie weltweit zu mindestens 500.000 Hospitalisierungen. In ihrer klassischen Verlaufsform treten etwa fünf Tage nach der Infektion Fieber, schwere Kopfschmerzen, die vor allem hinter den Augen verspürt werden und heftige Muskelschmerzen auf. Zusätzlich bestehen oft Bauchschmerzen und Erbrechen und ängstlich-depressive Verstimmungen. Nach Überstehen der Krankheit plagen Betroffene oft wochenlang Niedergeschlagenheit oder gar anhaltende Depressionen.