Pflegelehre in der Schweiz ein Hit

Vorarlberg / 22.09.2015 • 18:17 Uhr

Befürworter in Vorarlberg fordern Schulversuch für eine Gesundheits- und Pflegelehre.

bregenz. „Die Schweiz beweist, Österreich hat Bedenken.“ In einem Satz fasste Lehrlingspapst und Russ-Preis-Träger Egon Blum gestern bei einer Pressekonferenz das Dilemma um die seit Jahren vergeblich geforderte Einführung einer Gesundheits- und Pflegelehre zusammen. Wie berichtet, wollen die Befürworter rund um die Russ-Preis-Träger Günter Lampert und Egon Blum sowie aqua-mühle-Geschäftsführer Peter Hämmerle jetzt neuerlich einen Versuch starten, die Pflegelehre zu etablieren.

Auf Erfolgskurs

Mit Theo Ninck wurde ein Experte aus der Schweiz aufgeboten, der von einer Erfolgsgeschichte der Pflegeausbildung in seinem Land berichtete. Nach nur zehn Jahren hat es die dreijährige Ausbildung zur Fachfrau bzw. zum Fachmann für Gesundheit unter die Top 3 der Lehrberufe geschafft. Davon ist Österreich noch weit entfernt. Erste Initiativen setzte Egon Blum schon 2006. „Doch es reichte nicht, um die wichtigen Leute zu überzeugen“, musste er einräumen. Ähnliches Ungemach widerfuhr einer Petition, die heuer im Parlament eingebracht worden war. Nach zwei negativen Gutachten verschwand das Schreiben von den Agenden der diversen Ausschüsse.

„Wir brauchen deshalb jede denkbare Unterstützung für die Sache“, betonte Günter Lampert und richtete gleichzeitig einen dringenden Appell an die politisch Verantwortlichen, um Rahmen der Reform der Pflegeausbildung einen Versuch für eine Gesundheits- und Pflegelehre zuzulassen.

Auch der Landtag solle das Anliegen mit Nachdruck unterstützen, lautete eine weitere Forderung. Es brauche auch die Sozialpartner, merkte Lampert an. In der Schweiz konnten alle ins Boot geholt werden, obwohl es anfangs viele Widersacher gab, wie Theo Ninck ausführte. Dass es dennoch funktioniert hat, führt er darauf zurück, dass die Initiative für eine vollwertige Gesundheitslehre aus der Wirtschaft und den Gesundheitsbetrieben kam: „Sie haben das Fachkräfteproblem erkannt und gehandelt“, sagte Ninck. Für Gegenwind sorgte die Gewerkschaft, die eine Abwertung des bestehenden Pflegeberufs fürchtete. Mittlerweile ziehen alle an einem Strang, was laut Theo Ninck ein Geheimnis des Erfolgs ist. Ein anderes sieht er in der hohen Durchlässigkeit der Bildungswege im Pflegebereich. Tatsächlich wechseln nach der Lehre aber nur 30 bis 40 Prozent in höhere Fachschulen.

Egon Blum: „Wenn Jugendliche Eignung und Neigung zu einem Pflegeberuf haben, sollen sie nicht warten müssen, bis sie 17 sind.“ Ihnen etwas zuzumuten, hält er für wichtig, denn es habe auch mit Vertrauen zu tun. Klaus Müller, Geschäftsführer der St.-Anna-Hilfe, bezeichnete es als unbefriedigend, nicht aktiv in der Ausbildung junger Leute mitwirken zu können. Diese Möglichkeit müsse dringend geschaffen werden. Theo Ninck meinte: „Dran bleiben.“

Wirtschaft und Gesundheitsbetriebe haben das Fachkräfteproblem erkannt und gehandelt.

Theo Ninck