Kardinal kritisiert die Schönborn-Gruppe

Vorarlberg / 22.10.2015 • 20:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Geschiedene: Schönborn und Elbs betroffen über Worte des australischen Kardinals.

Rom. Die Synode der katholischen Kirche in Rom geht in die entscheidende Phase. Noch bis Sonntag diskutieren rund 400 Vertreter des Klerus über das Thema Familie. Für Österreich sind Kardinal Christoph Schönborn (70) und Vorarlbergs Bischof Benno Elbs (55) vor Ort. Die Diskussionen in der Arbeitsgruppe sind beendet, nun werden die Vorschläge im großen Plenum diskutiert und abgestimmt.

Die von Schönborn geleitete deutsche Sprachgruppe schlägt vor, die katholische Ehe-Theologie umfassend zu erneuern. Im am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Gruppe heißt es laut Kathpress wörtlich: „Wir empfehlen ein vertieftes Studium dieser Fragen mit dem Ziel einer lehramtlichen Neubewertung und einer größeren Kohärenz der dogmatischen, moraltheologischen und kirchenrechtlichen Aussagen zur Ehe mit der pastoralen Praxis.“ Für wiederverheiratete Geschiedene schlägt die Gruppe vor, dass künftig ein Priester im Gespräch mit dem jeweils Betroffenen klären soll, ob nach der Schließung einer weiteren Zivilehe „ein Zugang zu den Sakramenten möglich ist“. Elbs, als Teil dieser Gruppe, ist zufrieden: „Ich freue mich, dass wir in unserer Sprachgruppe zu einer Formulierung gefunden haben, der alle zustimmen können.“ Diese gemeinsame Linie zu finden, sei gar nicht so einfach gewesen. „Es gibt natürlich unterschiedliche Anschauungen, gerade auch weil in verschiedenen Ländern andere Dinge wichtig sind, die für uns vielleicht nur eine Nebenrolle spielen“, erklärt Elbs.

„Undifferenziert und falsch“

Nicht alle Teilnehmer sind mit dem Vorschlag der deutschsprachigen Gruppe glücklich. Der australische Kardinal George Pell tat seinen Unmut in einem Interview mit der französischen Zeitung „Le Figaro“ kund. Er sprach von einem „Kampf“ zwischen Anhängern von Benedikt XVI. und Sympathisanten des deutschen Kurienkardinals Walter Kasper, der ebenfalls in der deutschsprachigen Gruppe sitzt. Die einen würden eine konservative Linie in Bezug auf wiederverheiratete Geschiedene einnehmen, Schönbörns Gruppe fordere hingegen eine stärkere Öffnung. Nach der Kritik veröffentlichte die Gruppe mit Schönborn, Elbs und Kasper einen Bericht, in dem es heißt: „Mit großer Betroffenheit und Trauer haben wir die öffentlichen Äußerungen einzelner Synodenväter wahrgenommen. (…) Die gebrauchten Bilder und Vergleiche sind nicht nur undifferenziert und falsch, sondern verletzend.“

Die Synode fasst Benno Elbs in drei Worten zusammen: „Intensiv, anstrengend und anregend.“ Pro Woche wird in Kleingruppen ein großes Thema behandelt. Eine Sitzung dauerte mindestens acht Stunden, da bliebe nicht mehr viel Zeit für anderes, sagt Elbs: „Ich persönlich mache nach einem langen Sitzungstag gerne einen Spaziergang durch die Stadt, die Via della Conciliazione hinunter, eine Runde um den Petersplatz.“

Der letzte Anstieg

Die Räume im Vatikan sind zahlreich und groß, dennoch begegnet Elbs häufig einem speziellen Teilnehmer: „Ich bin dem Papst schon mehrfach rein zufällig begegnet. In der Casa Santa Martha, wo ich wohne, auf dem Gang oder im Lift.“ Er bewundere Papst Franziskus für seine Energie, die langen Sitzungen seien sehr anstrengend. „Als ich nach einem langen Tag mit dem Papst zurückging, fragte er mich, wie es mir geht und ich war es, der antwortete, dass ich heute müde von den Sitzungen sei.“ Franziskus habe nur gelächelt und gesagt: „Ja, jetzt kommt der letzte Anstieg zum Gipfel.“

Es gibt natürlich unterschiedliche Anschauungen.

Bischof Benno Elbs