Elf Ärzte tragen ein System

Vorarlberg / 18.11.2015 • 18:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Neues Bereitschaftsdienstmodell für sanitätspolizeiliche Aufgaben ist offenbar gut gestartet.

FELDKIRCH. „Die bisherigen Berichte sind gut, und das stimmt auch mich zufrieden.“ Hörbar erleichtert zieht Gesundheitslandesrat Christian Bernhard nach zweieinhalb Wochen, in denen das neue Bereitschaftsdienstmodell nun bereits läuft, eine erste Bilanz. Die Rückmeldungen der Exekutive sind demnach positiv ausgefallen. Auch Polizeiarzt Kurt Jenny und Wilhelm Gruber als Mitglied der Kurie in der Ärztekammer haben sich laut Bernhard zustimmend geäußert. Wie berichtet, umfasst die neue Ärztebereitschaft vorderhand nur sanitätspolizeiliche Aufgaben wie Totenbeschauen und Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen. Elf Ärzte schultern das System. Ende November und Anfang Dezember startet ein zweiter Lehrgang für öffentlich-rechtliche Dienste. Danach soll sich der Medizinerpool weiter füllen.

Zwei Fälle pro Dienst

Das derzeitige Kontingent reicht, um die Dienste abzudecken. Auch, weil einzelne Ärzte mehrere Einsätze, im Durchschnitt sind es zwei pro Dienst, übernehmen. „Auf Dauer wird es aber zu wenig Personal sein“, räumt Rotkreuz-Direktor Roland Gozzi ein. Ihm oblag es in den vergangenen Monaten, Mediziner für das neue Modell zu gewinnen. Was ihm allerdings nicht nur Freunde eingebracht hat. Vertreter der Ärztekammer etwa kritisierten die Rekrutierung als „Keilerei“. Ärztekammerpräsident Michael Jonas vermutete in einem VN-Interview sogar, dass sich das Rote Kreuz diese Aufgabe einverleiben und damit ein funktionierendes System konkurrieren wolle. Roland Gozzi dementiert entschieden. Von einem eigenen Betätigungsfeld für die Organisation könne keine Rede sein. „Wir möchten der Bevölkerung einfach einen guten Service bieten und nützen dafür die Technik der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle“, betont Gozzi.

Bei der RFL ist die elektronische Buchungsplattform angesiedelt, auf der sich die Ärzte selbstständig und freiwillig für einen Bereitschaftsdienst eintragen können. Es gibt zwei Diensträder, die zu besetzen sind. Ein Dienstrad läuft von 7 bis 19 Uhr, das andere von 19 bis 7 Uhr. Die Nachtdienste enthalten zudem ein kuratives Model für Pflegeheime, in deren Einzugsbereich kein Arzt zur Verfügung steht. Für den Pilotversuch wurde das Land in einen Nord- und Südsprengel eingeteilt. Die Ärztekammer hätte sich mehr Sprengel gewünscht. Nicht zuletzt deshalb äußerte sie immer wieder Zweifel an der Maßnahme.

Zur Aussprache eingeladen

Für Gesundheitslandesrat Christian Bernhard zählt, dass mit diesem Modell eine Lösung für einen Bereitschaftsdienst gefunden werden konnte, der bisher nicht mehr oder nur noch eingeschränkt funktioniert hat. Bekanntlich wurde es immer schwieriger, niedergelassene Ärzte für sanitätspolizeiliche Abklärungen zu finden. Dort wo diese Bereitschaft noch funktioniert, soll sich übrigens nichts ändern. Die Kosten für den Pilotversuch belaufen sich auf etwa 360.000 Euro. Finanziert wird er durch Land, Gebietskrankenkasse, Gemeindeverband, Rotes Kreuz und Ärztekammer. Vertreter selbiger hat Bernhard für Anfang Dezember auch noch zu einer Aussprache ins Landhaus eingeladen.