Tradition ist eben alles
Wenn Tante Frieda demnächst in die Rolle des schwedischen Lichtermädchens „Lucia“ schlüpft, sich eine Kerzenkrone ins schüttere Haupthaar drückt und in weißem Nachthemd durchs Haus lustwandelt, dann ist einerseits 13. Dezember. Andererseits bemüht die erbschleichende Verwandtschaft das Psychologenteam umsonst. Zu früh gefreut! Tantchen braucht sich nur auf die „gute alte Tradition“ zu berufen. So wie die Perchten, die seit vier Jahren durch die Bregenzer Innenstadt toben. Man irrlichtert in guter Gesellschaft.
Nur die Nikoläuse dieser Welt schauen verdrossen ihrem Auftritt entgegen. Sie kommen zu spät. Und fühlen sich irgendwie auch sonst leicht daneben.
Jedwede pädagogische Ambition hat ihnen die besorgte Elternschaft ausgetrieben. Ein drohender Krampus im Gefolge? Ja, seid Ihr denn wahnsinnig? Das überlebt das Kind nie! Seither schleppen die Nikoläuse pädagogisch wertvolle Spielsachen in die Häuser, wo sie von der Kinderschar mit Laserschwertern in Schach gehalten werden. Und der Krampus? Entwaffnet und ordentlich durchgegendert steht er ganz hinten und gibt keinen Laut. Wehe, er knurrt! Braucht er auch nicht. Die lieben Kleinen würden ohnedies in schallendes Gelächter ausbrechen. Gegen die „Traditionsperchten“ mit ihren Horrormasken wirkt er eher wie ein verwahrlostes Schneewittchen.
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