Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Komm zur Mama

Vorarlberg / 08.12.2015 • 18:42 Uhr

„Komm zur Mama“, ruft die Mitvierzigerin in jenem eigentümlichen Singsang, dem ein Kind anscheinend nicht widerstehen kann. „Ja, wo ist denn mein Schätzle?“, fragt sie in alle Enden des Gastgartens, und allmählich recken sich da und dort schon Hälse, weil die Vereinigung von Mutter und Kind doch etwas Erhebendes hat.

Dann kommt das Schätzle, und die Mama schließt es überglücklich in die Arme. Sie wischt sich den Sabber von der Schulter und bringt die junge Dogge mit allerlei Ausrufen wie „Ja, was denn, ja so ein Wilder“ dazu, schwanzwedelnd auf alle Viere zurückzukehren.

Das Schätzle hat auch einen Papa. Der muss jetzt auf das Schätzle aufpassen, während Mama ihr Kostüm säubert. Rasch wirft er ihm ein Leckerli hin, als das Schätzle unvermittelt in kojotenhaftes Geheul ausbricht.

Jetzt ist Ruhe. Das Schätzle zermanscht geräuschvoll eine übelriechende Köstlichkeit und fläzt dann mitten im Weg herum, was die Bedienung beinah zu Fall bringt. Sie fängt sich kunstgerecht und balanciert mit ängstlichem Blick das volle Tablett wieder aus. Verfolgt von bösen Blicken der Schätzle-Mama und dem hungrig-interessierten G‘schau des knurrenden Hindernisses. So eine appetitliche Bedienung wär‘ doch mal Abwechslung auf dem Speiseplan. Man müsste direkt die Mama fragen.

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