Nichts gekauft, nur beschenkt
Oh, wir wüssten schon, wie das geht. Dass sich das Glück nicht im Kaufrausch verbirgt, der gerade zur vorweihnachtlichen Orkanstärke anschwillt. Wir haben es Schwarz auf Weiß bei Storm, Dickens und Andersen. Beifall nickend begleiteten wir kleine und große Helden ins literarische Adventfinale, das immer leise war, die wahren Werte hoch hielt und von Friede und Freundschaft nur so troff. Und doch . . . ist unser Alltag so ganz anders . . .
Aber manchmal hat man Glück. Da spült einen so ein dritter Advent unversehens aus der Kälte eines ausgedehnten Spazierwegs hinein in die warme Stube, in der vorgelesen wird und musiziert. In der sich vielleicht 30 Menschen fanden, die nichts weiter zu tun wissen, als zuzuhören. Sie haben nichts gekauft. Nicht einen Punkt auf den „To-do-Listen“ abgehakt. Nur genossen. Über die Maßen beschenkt gehen sie zwei Stunden später nach Hause.
Tragen Geschichten im Kopf von Marcel Proust und anderen. Spüren noch die sonore Stimme des Vorlesers Peter Natter im Ohr. Und haben die Gesichter der vier jungen Musiker vor Augen, die mit ihrem Vater aufgespielt haben: „Eberle5“. Sogar der Jüngste war dabei. Acht Jahre alt. Erster Auftritt. Und die Mama hat zugehört. Der Papa hat ihm hernach durch die Haare gestrichen. Und die Geschwister haben ihm zugelächelt. Geschehen am Samstag in Hittisau. Eine ganze Welt in einem Kinderblick. So schön kann Advent sein.
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