Die Hospizstation lässt noch auf sich warten

Vorarlberg / 21.12.2015 • 19:55 Uhr
Das Sanatorium Mehrerau ist schon bald ein Jahr lang Geschichte. Mit dem Hospiz soll ein neues Kapitel geöffnet werden. Foto: stiplovsek
Das Sanatorium Mehrerau ist schon bald ein Jahr lang Geschichte. Mit dem Hospiz soll ein neues Kapitel geöffnet werden. Foto: stiplovsek

Umbauarbeiten in der Mehrerau beginnen 2017. Mehr Betten für Palliativstation.

schwarzach. Ursprünglich hätten bereits im Frühjahr die Umbaumaßnahmen für die Einrichtung einer Hospizstation im ehemaligen Sanatorium Mehrerau in Bregenz beginnen sollen. Doch die Arbeiten verzögern sich. Laut dem Leiter der Hospizbewegung Vorarlberg, Karl Bitschnau, hängt das in erster Linie mit den umfangreichen Planungstätigkeiten zusammen. Derzeit ist seinen Aussagen zufolge beim Landeshochbauamt ein Team dabei, ein Projekt für eine Hospizstation zu erstellen. Mit der Umsetzung der Pläne soll aktuell nun Anfang 2017 begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2017 vorgesehen. Die Caritas investiert rund 1,5 Millionen Euro in die Errichtung der 10-Betten-Station. Diese Kosten werden durch Spenden und Förderbeiträge aufgebracht. Der Betrieb des Hospizes selbst wird über Tagsätze abgerechnet.

Zwei Stockwerke

Im Jänner dieses Jahres war das Sanatorium Mehrerau, das über Jahrzehnte als Belegspital diente, geschlossen worden. Zwischenzeitlich sind in das altehrwürdige Haus am Ufer des Bodensees Flüchtlinge eingezogen. Sie haben dort eine vorübergehende Unterkunft gefunden. Das soll, wenn der Bedarf gegeben ist, bis zum Beginn der Umbauarbeiten auch so bleiben. Spätestens im Laufe des kommenden Jahres will das Landeshochbauamt dem für das Hospiz zuständigen Lenkungsausschuss im Landhaus einen entsprechenden Projektplan vorlegen.

Diesem Lenkungsausschuss gehören Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser, Erwin Bahl sowie Caritas-Direktor Walter Schmolly an. Was den Umbau betrifft, geht es um die Ausgestaltung von zwei Stockwerken. „Sobald die Planungsunterlagen vollständig sind, wird definiert, welche Arbeiten in Auftrag gegeben werden“, erklärt Karl Bitschnau. Die Verzögerung nimmt er gelassen. „Etwas Gutes braucht eben seine Zeit“, meint er.

Zusätzliche Betten

Früher als geplant wird hingegen die Palliativstation im Landeskrankenhaus Hohen­ems erweitert. Diese Forderung besteht schon seit Langem. Wie Gesundheitslandesrat Christian Bernhard dazu mitteilte, sind mindestens sechs zusätzliche Betten geplant. „Es könnten aber auch acht Betten werden“, stellt er in Aussicht. Dann hätte die Palliativstation insgesamt 16 bzw. 18 Patientenbetten. Die räumlichen Voraussetzungen für eine Ausweitung sind im Obergeschoß der bestehenden Palliativstation gegeben. Die Planungen beginnen laut Bernhard schon im kommenden Jahr, die Eröffnung des neuen Bettentraktes ist für Anfang 2017 festgeschrieben.

Lange Wartezeiten

Mit 16 Palliativbetten würde Vorarlberg dann auch dem im vergangenen Jahr aktualisierten Österreichischen Strukturplan gerecht. „Wir brauchen diesen Ausbau dringend“, sagt Krebshilfe-Präsident Gebhard Mathis. Er beschreibt die Situation für Palliativpatienten, wie sie sich im Moment darstellt, als prekär. Die Wartezeit betrage durchschnittlich 5,8 Tage. Außerdem braucht es nach Ansicht von Mathis eine deutlich frühere Integration von Palliativ- und Hospizversorgung in die Behandlung sowie eine stärkere Vernetzung der vorhandenen Angebote. „Palliative Care reduziert Stress, Angst, Depressionen und Kosten“, betont er. Und sie führe gerade im Falle von Krebspatienten zu einer deutlich besseren Lebensqualität sowie einem längeren Überleben.

Kompetenzzentrum

Weiters möchte Gebhard Mathis in der noch von ihm begründeten Palliativstation ein Ausbildungs- und Kompetenzzentrum etablieren. Laut einem Vorschlag von Primar Günter Höfle, dem Leiter der Internen Abteilung, sollen Ausbildungsärzte für Innere Medizin aus anderen Krankenhäusern in dieses Kompetenzzentrum rotieren können. Dasselbe gilt nach Meinung von Gebhard Mathis für die Pflege. „Da wir eine flächendeckende Verbesserung von Palliative Care brauchen, müssen unbedingt praktische Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen werden“, fordert der Krebshilfe-Präsident mit Nachdruck.

Ich habe festgestellt, dass es eben seine Zeit braucht, wenn etwas Gutes entstehen soll.

Karl Bitschnau