Akt der Befreiung
Einen Tag vor Weihnachten richten sich diese Zeilen nicht an jene, die schon froh sein müssen, überhaupt einen Job zu haben. Sie klopfen bei denen an, die ihr Leben mit beruflichem Aufstieg verwechseln. Von den dynamischen Männern sei hier die Rede, die sich der Leistungsgesellschaft willfährig in den Rachen werfen, sich zerkauen und verdauen lassen, um abends erschöpft, aber erfolgreich als Ergebnis des marktwirtschaftlichen Stoffwechsels neben ihren frierenden Frauen zu liegen.
Ihre Lebensziele haben sie, falls sie je welche hatten, früh aufgegeben, weil es ja Unternehmensziele gibt. Sie träumen in Bilanzen. Selbst die Weihnachtstage ertragen sie nur, wenn sie zwischendurch ins Büro flüchten dürfen.
Das müssten sie gar nicht! Machen Sie doch den Christbaum zu Ihrem Projekt, meine Herren, und beenden Sie die Diktatur der Strohsterne! Sie haben die Macht. Schmücken Sie selbst. Setzen Sie den Elch auf die Spitze, trauen Sie sich! Die sündteuren Blasengel der Schwiegermutter bleiben in der Hutschachtel. Bringen Sie stattdessen die Plastik-Fliegenpilze in Stellung. Und die Kugeln werden knallbunt. Dies wird ein Christbaum, der ohne Meterstab das Licht der Welt erblickt. Er ist krumm gewachsen? Wunderbar! Käme bei einem Xmas-Design-Bewerb nicht einmal ins Vorprogramm? Dafür wird er fröhlich aussehen. Sie wissen doch noch, wie sich Fröhlichkeit anfühlt? Da war noch was? Dann ist es nicht zu spät. Frohes Fest!
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