Vier Anläufe zum Medikament

Ärztekammerpräsident Michael Jonas warnt vor einer Verstaatlichung der Medizin.
Dornbirn. Neues Ungemach sieht der Vorarlberger Ärztekammerpräsident Michael Jonas auf den niedergelassenen Bereich zukommen. Ihm zufolge könnte die Vergütung von medizinischen Einzelleistungen nämlich über kurz oder lang von einer für alle Kassen gültigen einheitlichen Honorarordnung abgelöst werden. Solche Bestrebungen, die unter dem Titel „intelligente Pauschalierungen“ beworben werden, gibt es vonseiten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger schon länger. „Sollten diese Pläne umgesetzt werden, würde das einer totalen Verstaatlichung der Medizin mit dramatischen Folgen für die Patienten gleichkommen“, warnt Jonas vor weiteren Einsparungen bei Gesundheitsleistungen.
2,5 Millionen Anträge
Schon jetzt würden Rationierungen provoziert, verweist der Ärztekammerpräsident auf das sogenannte Arzneimittelbewilligungsservice (ABS), das zudem noch viel sinnlose Bürokratie in den Ordinationen erzeuge. So mussten etwa im Jahr 2014 von den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in Österreich sage und schreibe 2,5 Millionen Anträge bei den Krankenkassen gestellt werden, um die für eine Behandlung notwendigen Medikamente verordnen zu können. Erst jüngst erlebte auch Michael Jonas, der als niedergelassener Internist in Dornbirn arbeitet, ein blaues Wunder. „Ich brauchte vier Anläufe, bevor ein 63-jähriger SVA-Versicherter trotz klarer medizinischer Indikationen zu seinem benötigten Medikament kam“, schildert Jonas den Papierkrieg mit der betreffenden Chefärztin.
Doch nicht sachliche Argumente führten schließlich zu einer positiven Erledigung des Antrags, sondern die Drohung, mit der Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Für Jonas ein unhaltbarer Zustand, der bei ihm die Vermutung nährt, dass damit bewusst Methoden begrenzt werden sollen.
Dürftige Kontrollergebnisse
Das Arzneimittelbewilligungsservice wurde vor zehn Jahren eingeführt, auch mit dem Ziel, die Kosten bei chefarztpflichtigen Medikamenten zu kontrollieren. „Das ist ein Wahnsinn mit null Effekt“, stellt Michael Jonas dazu fest. Jährlich werden zehn Prozent aller Kassenärzte auf Basis des ABS im Nachhinein kontrolliert. Die Verordnung chefarztpflichtiger Medikamente muss auch noch doppelt dokumentiert sein. „Wer viele Patienten hat, die solche Arzneimittel brauchen, der sitzt tagelang an der geforderten Zusammenstellung”, echauffiert sich Jonas. Das Ergebnis der Kontrollen hingegen ist seinen Aussagen nach dürftig. 2014 setzte es für Kassenärzte 80 Sanktionen mit einem Gesamtwert von 867 Euro. „Damit lässt sich der Mehraufwand für die Vertrauens- und Chefärzte in keiner Weise rechtfertigen“, ärgert sich Michael Jonas markig über „sinnlose Arbeitsplätze als Chefärzte für Allgemeinmediziner, die besser in der Patientenversorgung eingesetzt wären.“ Auch an den Medikamentenausgaben habe das ABS nichts geändert. Im Gegenteil. „Die Kosten sind um acht Prozent gestiegen“, sagt Jonas.
Der Ärztechef prangert die Gesundheitspolitik „der sozialdemokratischen Akteure in Wien“ insgesamt als patientenfeindlich an. „Entgegen ihrer öffentlichen Beteuerungen wird eine Zweiklassenmedizin geradezu forciert“, meint Jonas, der noch längere Wartezeiten und noch mehr Bürokratie für die Kollegen befürchtet. Angesichts dieser Entwicklung sei es kaum verwunderlich, dass junge Ärzte nicht mehr im niedergelassenen Bereich tätig sein wollen, sieht er auch da einen Zusammenhang.
Damit sollen ärztliche Methoden eingeschränkt werden.
Michael Jonas