Kosten für Medikamente steigen weiter kräftig an

GKK-Obmann versteht Kritik der Ärztekammer an Arzneimittelbewilligungssystem nicht.
Dornbirn. „Ehrlich verwundert“ zeigt sich der Obmann der Gebietskrankenkasse (GKK), Manfred Brunner, über die harsche Kritik
von Ärztekammerpräsident Michael Jonas am Arzneimittelbewilligungsservice (ABS). Wie berichtet hatte Jonas dieses seit zehn Jahren existierende elektronische Bestellsystem für chefarztpflichtige Medikamente im VN-Gespräch als bürokratischen Wahnsinn bezeichnet. Er führte dazu an, dass die österreichischen Ärzte im Jahr 2014 nicht weniger als 2,5 Millionen Anträge stellen mussten, um benötigte Arzneimittel verordnen zu können. Manfred Brunner versteht die Aufregung deshalb nicht, weil das ABS in Vorarlberg im Einvernehmen mit der Ärztekammer organisiert und eine große Masse an Medikamenten freigestellt worden sei.
Keine Alternativen
2015 langten bei der Gebietskrankenkasse 5600 Anträge ein. Bei der Bewilligung gab es laut Brunner keine einzige Zeitüberschreitung. Ein Antrag muss den Qualitätsvorgaben entsprechend innerhalb von fünf Minuten bearbeitet sein. Worin er Jonas allerdings recht gibt, ist dessen Hinweis, wonach das Arzneimittelbewilligungsservice an den steigenden Kosten für Medikamente wenig geändert hat. Tatsächlich wird der finanzielle Einsatz bei diesem Budgetposten immer höher. Die für 2015 prognostizierte Steigerung von zehn Prozent dürfte dennoch etwas geringer ausfallen. Manfred Brunner spricht von vorläufig 109 Millionen Euro, die für Medikamente veranschlagt wurden. Heuer rechnen die GKK-Verantwortlichen mit Kosten von 116 Millionen Euro, was einer Steigerung von sechs Prozent entspricht. Der Grund sind neue und bessere Arzneimittel vor allem für die Behandlung von Krebserkrankungen. „Hier gibt es keine Alternativen. Deshalb muss dort effizient gehandelt werden, wo solche zur Verfügung stehen“, betont der GKK-Obmann.
Orientierungshilfe
Er verteidigt das Arzneimittelbewilligungssystem auch als wichtige Orientierung im Dschungel der Medikamentenwelt. Kein Arzt könne immer alle Medikamente kennen. Daher werde das ABS laufend angepasst. „Der Patient muss dem Medikament nicht mehr nachlaufen, der Arzt nicht mehr nachtelefonieren. In fünf Minuten ist die Sache erledigt“, listet Manfred Brunner weitere Vorteile auf.
Das schaffe Sicherheit für beide Seiten. In Einzelfällen, räumt er ein, könne eine Bestellung zu Diskussionen führen. Deshalb das ganze System infrage zu stellen, hält Brunner jedoch für unzulässig. Er spricht außerdem von einem zumindest kostendämpfenden Effekt, den das ABS habe.
Keine Vereinheitlichung
Was die von Michael Jonas als Drohung an die Wand gemalte Verstaatlichung des Gesundheitswesens durch die Vereinheitlichung der Honorarordnung angeht, winkt der GKK-Chef ab. Eine solche will er nicht übergestülpt bekommen. Es gebe Überlegungen, Tarife für bestimmte Leistungen anzupassen, die Honorarordnungen selbst würden sich die Kassen aber nicht nehmen lassen. „Das ist nicht unsere Vorstellung“, versichert er. Von der Ärztekammer hofft er, dass sie sich künftig „positiv gestaltend“ einbringt. So habe er Michael Jonas bisher kennengelernt.
Teure Medikamente sind alternativlos. Deshalb muss effizient gehandelt werden, wo es geht.
Manfred Brunner