Keime mit Risiko ständig im Visier

Bei Infektionen durch Krankenhauserreger schneidet Vorarlberg laut Studie gut ab.
FELDKIRCH. Europaweit erkranken jährlich rund drei Millionen Patienten an einer Infektion, die durch Krankenhauskeime verursacht wurde. Das entspricht einem Anteil von rund sechs Prozent. Eine vor drei Jahren erstmals durchgeführte Studie, an der sich das Landeskrankenhaus Feldkirch beteiligte, ergab für Österreich einen Wert von 6,2 Prozent.
Das LKH Feldkirch lag mit 2,6 Prozent aber deutlich unterhalb des durchschnittlichen Infektionswerts, der sich zwischen drei und sechs Prozent bewegte. Damals waren allerdings nur neun Spitäler involviert. 2015 nahmen 57 Krankenanstalten an dieser Untersuchung teil. Vorarlberg war diesmal mit den Landeskrankenhäusern Feldkirch und Bludenz vertreten. Detailergebnisse zu den einzelnen Häusern fehlen zwar noch. Gesamt gesehen kam es aber zu einer leichten Reduktion auf 5,3 Prozent. Konkret wiesen von 13.814 Patienten 727 eine sogenannte nosokomiale Infektion auf. Damit befindet sich Österreich laut dem bei der MedUni Wien angesiedelten Referenzzentrum im Europa-Vergleich im guten Mittelfeld.
Vom ersten Ergebnis war auch OÄ Gabriele Hartmann, Leiterin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge, positiv überrascht, wie sie sagt. Was die aktuelle Erhebung betrifft, rechnet sie ebenfalls mit einer guten Quote. „Unsere Mitarbeiter werden laufend zu Hygienemaßnahmen geschult und Risikostationen überwacht“, begründet Hartmann ihre Zuversicht. Während das Gros der Abteilungen punktuell kontrolliert wird, steht die Intensivstation unter ständiger Beobachtung durch Hygienefachleute. Zudem wird jeder Patient vor Überstellung auf die Intensivstation mittels Abstrich auf mögliche multiresistente Erreger kontrolliert. „Diese Keime kommen besonders bei Patienten mit langer Antibiotikatherapie vor“, erklärt Hartmann.
Bösartiges Potenzial
Aber auch Personen, die sich über längere Zeit in einer anderen medizinischen Einrichtung stationär aufgehalten haben, werden gescreent. Dies betrifft insbesondere Patienten aus dem südlichen und asiatischen Raum. „Wir haben das Glück, dass multiresistente Keime bei uns noch nicht endemisch vorkommen“, weiß Gabriele Hartmann um deren bösartiges Potenzial. Einzelfälle seien jedoch, wenn sie erkannt würden, behandelbar. „Wir sind mit diesen Vorsichtsmaßnahmen bisher gut gefahren“, sagt die Hgyieneexpertin. Laut dem vorläufigen Gesamtergebnis der aktuellen Untersuchung waren in rund der Hälfte der Fälle Multiresistenzerreger die Verursacher von Infektionen im Spital.
In Vorarlberg wurden für die Studie eine Woche lang alle Stationen in den Landeskrankenhäusern Feldkirch und Bludenz auf Patienten mit Krankenhauskeim-Infektionen kontrolliert. „Gleichzeitig geht es auch um den sinnvollen Einsatz von Antibiotika“, ergänzt Gabriele Hartmann. Derzeit erhalten rund 26 Prozent der Patienten Antibiotika. Vor drei Jahren machte dieser Wert noch 33 Prozent aus. Die nächste derartige Untersuchung ist bereits in Planung und soll 2017 abgeschlossen sein.
Von Natur aus sind Krankenhauskeime nicht gefährlicher als normale Krankheitserreger. „Die Herausforderung besteht in den eingeschränkten antibiotischen Behandlungsmöglichkeiten“, erklärt Hartmann die Problematik. Als nach wie vor wichtigste Prophylaxe bezeichnet sie die Händedesinfektion. Bei einem positiven mikrobiologischen Abstrich stimmt das Hygieneteam des jeweiligen Krankenhauses die notwendigen Maßnahmen, zum Beispiel Isolation, mit der Abteilung ab. Das Institut verfügt derzeit über 1,6 ärztliche sowie 4,5 pflegerische Vollzeitstellen.
Händedesinfektion ist die wichtigste Prophylaxemaßnahme.
Gabriele Hartmann