Draußen, vor der Tür
Kennen Sie das? Sie hat schon auf drei Nachrichten nicht geantwortet! Reflex: Was habe ich falsch gemacht? Oder das eigene Handy bleibt stumm. Dunkel. Schweigsam. Warum schreibt mir niemand? Reflex: Vereinsamung. Im Sekundentakt gleitet der Blick übers Display, obwohl sich dort gar nichts tut. Man hört’s förmlich
klingeln, derweil . . .
Die US-Amerikaner haben jetzt ein Wort dafür gefunden: Phantomschmerzen. Sie haben das Wort aus der Medizin entlehnt. Ein Onkel litt darunter. Er hatte im Krieg ein Bein eingebüßt. Trotzdem juckte ihn der Zeh, wenn das Wetter umschlug. Das führte ihm schmerzhaft vor Augen, dass er einmal ein ganzer Mensch gewesen war.
Der digitale Phantomschmerz belegt eine andere Art Amputation. Die Welt ist ein Dorf geworden. Schon aus Furcht vor dem Ausschluss spüren wir das Handy vibrieren, auch wenn wir es gar nicht bei uns tragen. Schweigt WhatsApp für zwei, drei Stunden, fühlen wir uns alleingelassen. Legen wir im Computerspiel die Heldenrolle ab, tauchen wir im analogen Leben blass und fahrig wieder auf. Wir sind nur noch halbe Menschen, wenn die Welt zwischen 0 und 1 uns ausgespieen hat.
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