Ein jeder Euro kommt gleich dreifach zurück

Pflege kostet nicht nur Geld, sie schafft laut Studie auch einen
sozialen Mehrwert.
Altach. Pflege kostet Geld, viel Geld sogar und auch immer mehr. Vorarlberg wird heuer rund 95 Millionen Euro allein für die stationäre Betreuung von pflegebedürftigen Menschen aufwenden. Umgekehrt bringt Pflege aber auch einen Mehrwert für die Gesellschaft. Laut einer Untersuchung der Wirtschaftsuniversität Wien kommt jeder Euro, den die öffentliche Hand in die Pflege und Betreuung investiert, dreifach zurück. „Etwa in Form von sozialem Zusammenhalt, zufriedenen Mitarbeitern, entlasteten Angehörigen oder der Erhaltung von Arbeitsplätzen“, wie Studienautor Gerhard Schober erklärt. Unlängst stellte er dazu in Niederösterreich und in der Steiermark erhobene Daten auch in Vorarlberg vor. Das Fazit: „Investitionen in die Pflege sind auch Investitionen in unsere Gesellschaft.“
Wirkungsorientiert
Gerhard Schober ist wissenschaftlicher Leiter des an der Wirtschaftsuniversität Wien angesiedelten Kompetenzzentrums für Non-Profit-Organisationen. Die Einrichtung versteht sich in erster Linie als Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis mit dem Ziel, den Wert beispielsweise sozialer, aber auch ökologischer Arbeit oder die Bedeutung gemeinnütziger Stiftungen auf andere als nur die monetäre Weise darzustellen. „Es geht darum, einmal eine alternative Brille aufzusetzen“, sagt Schober. Und die lässt durchblicken, dass mehr hinter solchen, oft teuren Unternehmungen steckt, als nach außen ersichtlich ist. Und: „Die öffentliche Hand hat sich eine wirkungsorientierte Haushaltsführung auf die Fahnen geheftet. Solche Studien können sie nachweisen“, verdeutlicht Gerhard Schober. Er berichtet von einer Untersuchung, die bei mobilen Hilfsdiensten in Wien durchgeführt wurde, und vom Stolz der Mitarbeiter, als sie erfuhren, was sie leisten. „Das ist wertvoll, weil es motiviert.“
Teil der Wertschöpfung
Die Studie zur Pflege wurde im Auftrag des Bundesverbandes der Alten- und Pflegeheime Österreichs erstellt. Christian Schober analysierte darin die gesellschaftlichen und ökonomischen Wirkungen der stationären Pflege- und Betreuungseinrichtungen in Niederösterreich und in der Steiermark. Vieles davon lässt sich laut Schober auf Vorarlberg umlegen. „Pflegende Angehörige haben überall die gleichen Bedürfnisse“, fügte er als Beispiel an.
Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker sieht in der Studie einen wertvollen Beitrag zu einem der wichtigsten Zukunftsthemen. Aufgrund der demografischen Entwicklung, der steigenden Lebenserwartung sowie der sich ändernden Familien- und Haushaltsstrukturen werde der Bedarf an professioneller Pflege und Betreuung besonders in den nächsten Jahren stark steigen. „Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, dass unsere Pflegeheime nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Teil der gesellschaftlichen und ökonomischen Wertschöpfung gesehen werden“, betonte sie bei der Vorstellung der Studie in Altach.
Es ist mir ein großes Anliegen, dass unsere Heime nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden.
Katharina Wiesflecker